Bundesweit fehlt es an Schutzeinrichtungen für Männer

Bundesweit fehlt es an Schutzeinrichtungen für Männer
Immer mehr Männer sind in Deutschland von häuslicher Gewalt betroffen. Allerdings gibt es in einigen Bundesländern noch immer keinerlei Schutzeinrichtungen. Die bundesweite Fachstelle benennt die Lücken.
02.11.2026
epd
Von Katharina Rögner (epd)

Dresden (epd). Die Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz mahnt mehr Schutzplätze für Männer an, die von häuslicher Gewalt betroffen oder bedroht sind. Nur die Hälfte aller deutschen Bundesländer habe bisher Männerschutzeinrichtungen, sagte Jana Peters von der Fach- und Koordinierungsstelle am Montag in Dresden bei der Vorstellung der Nutzungsstatistik für 2025. Insgesamt stehen demnach aktuell 51 Plätze in 15 Einrichtungen zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es bundesweit sechs Schutzwohnungen für Männer.

Einige Bundesländer wie etwa Thüringen oder Schleswig-Holstein haben bisher gar keine entsprechende Einrichtung. Allerdings steige der Bedarf seit Jahren, sagte Peters. Bundesweit seien 2025 insgesamt 798 Anfragen gezählt worden, gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg um 6,3 Prozent (2024: 751). 2023 waren es 533 Anfragen, 2022 wurden 421 gezählt. Die statistischen Angaben können laut Peters aber nicht mit der Anzahl der Betroffenen gleichgesetzt werden, einige der Männer hätten sich mehrfach gemeldet. Zudem nahmen nicht alle Männerschutzeinrichtungen an der Datenerhebung teil.

128 Männer vorübergehend in Schutzeinrichtungen

„Dennoch sprechen die Zahlen deutlich für einen Ausbau des Hilfesystems“, sagte Peters. Empfohlen werde etwa ein Platz pro 200.000 Einwohnern, um den tatsächlichen Bedarf langfristig zu decken ein Platz pro 100.000 Einwohnern. Laut „Nutzungsstatistik“ fanden im vergangenen Jahr 128 Männer und damit 16 Prozent der Registrierten vorübergehend Schutz in einer Einrichtung. 2024 waren es 126.

Die Zahl der polizeilich registrierten Opfer häuslicher Gewalt insgesamt ist in Deutschland von 240.547 im Jahr 2022 auf 265.942 im Jahr 2024 gestiegen. Weniger als ein Drittel der Betroffenen sind Männer.

Die männlichen Nutzer von Schutzeinrichtungen sind Peters zufolge im Durchschnitt 38 Jahre alt. Sie bleiben in der Regel drei Monate in den Einrichtungen. Zum Teil könne der Aufenthalt auf sechs Monate verlängert werden, hieß es. Unter den Männern seien sowohl Betroffene von Partnerschaftsgewalt als auch von interfamiliärer Gewalt.

Knapp 60 Prozent der Bewohner der Schutzeinrichtungen besaßen die deutsche Staatsangehörigkeit. Der vergleichsweise hohe Anteil von nicht deutschen Bewohnern erfordert laut Bericht spezifische Unterstützung wie etwa Dolmetscherleistungen.

Sachsen gilt als Vorreiter

Sachsen nimmt mit allein 14 Plätzen in vier Männerschutzeinrichtungen eine Vorreiterrolle ein. Die sächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt, Petra Köpping (SPD), betonte, der Freistaat habe als erstes Bundesland vor zehn Jahren mit der staatlichen Förderung dieser Einrichtungen begonnen. Dennoch fehlen laut Köpping noch immer 200 Plätze, gemessen an den Vorgaben des Bundes.

Den Angaben zufolge konnten oder wollten 2025 fast 70 Prozent der erfassten Männer aus unterschiedlichen Gründen nicht in eine Schutzeinrichtung aufgenommen werden beziehungsweise nahmen über eine erste Kontaktaufnahme hinaus keine Beratung in Anspruch (2024: 65,4 Prozent). 15 Männer nahmen ihre Kinder mit in eine Einrichtung, sodass insgesamt 21 Kinder zeitweise dort lebten.