Frankfurt a.M. (epd). Friedlicher Protest für die Anliegen junger Menschen, aber auch Gewalt und Ausschreitungen in mehreren Städten: Der erste Aktionstag der Initiative „Gen Z regelt“ am Samstag hinterlässt eine gemischte Bilanz. Vor allem in Frankfurt am Main eskalierte die Lage am späten Abend im Nachgang der Demonstration. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) kündigte ein konsequentes Vorgehen gegen Randalierer an. Zugleich gab es Appelle, die Anliegen junger Menschen nicht aus dem Blick zu verlieren.
„Gen Z regelt“ hatte zu Protesten in mehr als 30 Städten aufgerufen. Die Initiative beklagt Missstände in der Bildung, soziale Ungerechtigkeiten, steigende Lebenshaltungskosten und spricht sich gegen Militarisierung aus.
Mehr als 100 Polizisten in Frankfurt verletzt
Überschattet wurden die Demonstrationen, die vielerorts zunächst weitgehend friedlich verliefen, insbesondere von Ausschreitungen in Frankfurt am Main. Dort eskalierte die Lage am Abend im Nachgang der Demonstration.
Laut dem hessischen Innenminister Roman Poseck (CDU) wurden bei Krawallen mehr als 100 Polizistinnen und Polizisten verletzt. Die Polizei sei mit bis zu 1.300 Einsatzkräften an der Spitze aufgestellt gewesen, habe sich aber bis zu 1.500 gewaltbereiten Störern gegenübergesehen. 17 Geschäfte seien in der Nacht beschädigt, fünf davon geplündert worden. Weiteres habe die Polizei verhindert. Die Einsatzkräfte hätten 1.225 Platzverweise ausgesprochen und 54 Personen im Alter zwischen 13 und 29 Jahren festgenommen.
Der Aufzug war nach Polizeiangaben im Lauf des Samstagnachmittags in Frankfurt auf rund 8.000 Teilnehmende angewachsen. Erste Steine, Flaschen und Feuerwerkskörper auf Beamte seien bereits aus dem Zug heraus von gewaltbereiten Linksextremisten geworfen worden, sagte Poseck.
Proteste in mehr als 30 Städten
Gewaltsame Zwischenfälle wurden auch aus Hamburg und Köln gemeldet. In Hamburg nahmen an einem Aufzug unter dem Motto „Gegen Wehrpflicht - Gen Z regelt!“ nach Polizeiangaben rund 6.700 Menschen teil. Nach einem friedlichen Auftakt spitzte sich die Lage mehr und mehr zu: Teilnehmende entzündeten laut Polizei Pyrotechnik oder griffen Einsatzkräfte an.
In Köln wurde die Versammlung mit mehreren Tausend Teilnehmenden laut Polizei wegen „einzelner Störaktionen“ vorzeitig von den Veranstaltern beendet. Danach kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstrierenden, bei denen unter anderem Wasserwerfer eingesetzt wurden.
Nach der Demonstration habe die Polizei die Personalien von knapp 1.000 Personen aufgenommen. Aus dieser Gruppe hätten Vermummte Glasflaschen, Steine und Knallkörper gezielt auf die Einsatzkräfte geworfen. Einsatzleiter Martin Lotz sagte, man müsse „klar differenzieren zwischen vielen friedlichen Versammlungsteilnehmenden und denen, die das Recht auf Versammlungsfreiheit unterwandert haben“.
Anliegen junger Menschen nicht aus dem Blick verlieren
Auch Bundesinnenminister Dobrindt äußerte sich zu der Gewalt. Randalierer und Plünderer würden identifiziert und zur Rechenschaft gezogen, sagte der CSU-Politiker der „Bild“-Zeitung (Sonntag). Auf diesen Landfriedensbruch müssten „harte Strafen folgen“.
Zugleich gab es aus der Politik Appelle, die Anliegen junger Menschen angesichts der Ausschreitungen nicht aus dem Blick zu verlieren. Die Sorgen vor der eigenen Zukunft seien ernst zu nehmen, sagte etwa der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Dirk Wiese, der „Rheinischen Post“.
Zwei Demos in Berlin
In Berlin folgten Tausende Menschen dem Aufruf von „Gen Z regelt“. Laut Polizei nahmen am Nachmittag 5.000 Menschen an einer Demonstration vor dem Brandenburger Tor teil. Die Veranstalter sprachen von 10.000 Teilnehmenden. Bei einer anderen Demonstration unter dem Motto „Gen Z hat genug!“ wurde Pyrotechnik gezündet und eine Straßenbahn beschmiert.
Nach eigenen Angaben organisierte „Gen Z regelt“ die Proteste in Berlin, Köln, Frankfurt am Main und München hauptverantwortlich. Für den 14. November sind auf der Webseite der Initiative erneut Proteste angekündigt. „Gen Z regelt“ hatte sich bereits im Vorhinein deutlich von Gewalt distanziert. Die Initiative bezifferte die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bundesweit auf 120.000



