Frankfurt am Main (epd). In mehr als 30 deutschen Städten wollen Jugendliche und junge Erwachsene am Samstag demonstrieren. Die Proteste, zu denen die Initiative „GenZ regelt“ aufruft, richten sich gegen marode Schulen, steigende Lebenshaltungskosten, Kürzungen im Bildungsbereich, eine mögliche Wehrpflicht und verzögerten Klimaschutz. Nach Angaben der Initiative hatten bis Freitag auf ihrer Webseite rund 160.000 Menschen ihre Teilnahme angekündigt. Sie wies zudem am Freitag auf die Mobilisierung bislang nicht politisch aktiver junger Leute hin.
Der Sozialforscher Kilian Hampel von der Universität Konstanz nannte die Protestthemen am Freitag im Deutschlandfunk berechtigt. Es gehe um seit Langem drängende Anliegen der jungen Generation. Die Politik müsse jungen Menschen das Gefühl vermitteln, ernst genommen und an Entscheidungen beteiligt zu werden. Auch Jugendforscher Klaus Hurrelmann forderte die Bundesregierung und die etablierten Parteien zum Dialog auf. Es sei „ausgesprochen ungeschickt“, zunächst mit Warnungen vor Gewalt und Ausschreitungen auf die angekündigten Proteste zu reagieren, schrieb er im „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Freitag).
Junge Menschen nicht mit Gewalt in Verbindung bringen
Kritik am Fokus auf mögliche Gewalt äußerte auch Protestforscherin Sabrina Zajak. Dies könne Jugendliche verunsichern und den Eindruck erwecken, ihr demokratisches Recht auf Demonstration sei infrage gestellt. Die jungen Menschen wollten ihre Anliegen sichtbar machen und nicht mit Gewalt in Verbindung gebracht werden, sagte die Professorin der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin im ZDF-„Morgenmagazin“.
Unterstützung für die Proteste kam vom Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel. Es sei gut, „dass junge Menschen für ihre Rechte eintreten, für bezahlbares Wohnen, für Klimaschutz, für gute Bildung bei uns in Deutschland“, sagte Latzel in einem Video auf Instagram. Zugleich warnte er vor Gewalt gegen Menschen, Sicherheitskräfte und Sachen.
Auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) rief die Teilnehmenden der Demos dazu auf, friedlich zu bleiben: „Mein Appell: Streitet für Eure Positionen, macht Eure Standpunkte klar - aber bleibt dabei friedlich und respektvoll“, sagte Wüst dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Samstag). Wüst wertete die Proteste als Engagement, das „für die Lebendigkeit unserer Demokratie“ stehe.
Sicherheitsbehörden sehen keine Hinweise auf Gewalt
Die Organisatorinnen des Berliner „Gen Z regelt“-Ablegers sagten in einer Online-Pressekonferenz am Freitag, dass ihre Bewegung besonders sei, da die meisten Teilnehmenden davor nicht politisch aktiv waren. In Berlin wolle man „solidarisch und friedlich“ auf die Straße gehen, sagte die Sprecherin und Sozialwissenschaftsstudentin Katja Schwab: „Merz sollte sich freuen, dass wir nicht politikverdrossen sind“.
Die Initiative „Gen Z regelt“ betont auf ihrer Webseite, Gewalt und Sachbeschädigungen abzulehnen. Die bundesweite Organisation ist jedoch schon vor den Demos am Wochenende von internen Rückzügen geprägt: Insgesamt drei Aktivisten zogen sich zurück. Als Gründe nannten sie unter anderem Zweifel an der Gewährleistung der Gewaltfreiheit sowie unklare Zuständigkeiten und mangelnde finanzielle Transparenz.
Sicherheitsbehörden sehen allerdings bislang keine konkreten Hinweise auf geplante gewalttätige Ausschreitungen. Die meisten Demoaufrufe betonten den friedlichen Charakter der Proteste, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Mittwoch. Polizei und Verfassungsschutz warnten jedoch vor einer möglichen Unterwanderung durch radikale Kräfte.




