Protestforscherin: Fokus auf Gewaltwarnungen verunsichert

Protestforscherin: Fokus auf Gewaltwarnungen verunsichert
Die Warnung vor möglichen Ausschreitungen bei den geplanten Jugendprotesten am Samstag könnte nach Ansicht der Protestforscherin Sabrina Zajak junge Menschen davon abhalten, ihr Demonstrationsrecht wahrzunehmen.

Berlin (epd). Die Protestforscherin Sabrina Zajak kritisiert den Fokus auf Warnungen vor Gewalt bei den für Samstag geplanten Jugendprotesten der Initiative „Gen Z regelt“. Das könne einerseits den Effekt haben, dass Jugendliche verunsichert seien, andererseits Gewaltbereite aus anderen Gruppen anlocken, sagte die Professorin der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin am Freitag im „Morgenmagazin“ des ZDF.

Junge Leute könnten sich so fragen, ob sie überhaupt ihr demokratisches Grundrecht wahrnehmen und auf die Straße gehen könnten, sagte Zajak. „Die jungen Leute wollen nicht mit Gewalt assoziiert werden, die auf Demonstrationen gehen, sondern ihre Anliegen zeigen“, betonte sie.

Jugendproteste in Deutschland „sehr, sehr, sehr friedlich“

Andererseits könnte es durch den Fokus auf Warnungen vor Gewalt eine sich selbst erfüllende Prophezeiung werden, „indem es ganz andere Leute noch adressiert, die aus ganz unterschiedlichen Gründen Lust auf Randale haben“. Unter Verweis auf unterschiedliche Protestkultur in Frankreich und Deutschland erklärte sie, es gebe zunächst keine Gründe, den französischen Kontext so direkt zu übertragen: „Gerade die Jugendproteste in Deutschland waren immer sehr, sehr, sehr friedlich in der Vergangenheit.“

In mehr als 30 Städten bundesweit sollen am Samstag „Gen Z regelt“-Demonstrationen stattfinden. Der Protest richtet sich unter anderem gegen marode Schulen, steigende Lebenshaltungskosten und die derzeit ausgesetzte Wehrpflicht. Gefordert werden auch ein Schutz der Grundrechte gegen staatliche Überwachung, ein konsequenter Klimaschutz und eine gerechte Lastenverteilung zwischen den Generationen.