Berlin, Nyala (epd). Bei Drohnenangriffen auf einen Markt und auf ein Wohngebiet in Nyala im Sudan sind laut „Ärzte ohne Grenzen“ Dutzende Menschen getötet worden. Allein 36 getötete Personen seien in das von der Hilfsorganisation unterstützte Krankenhaus in Nyala gebracht worden, erklärte „Ärzte ohne Grenzen“ am Mittwoch in Berlin. Mehr als 150 Verwundete seien in der Notaufnahme der Klinik versorgt worden.
Für mindestens den Angriff auf einen belebten Markt im Westen der Stadt machten die Helfer die sudanesischen Streitkräfte verantwortlich. Im Sudan herrscht seit dreieinhalb Jahren Krieg zwischen den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) und der Armee. Beide Kriegsparteien haben den Einsatz von Drohnen zuletzt deutlich ausgeweitet.
Ruf nach Schutz für Zivilbevölkerung
Ein Großteil der Toten, die ins Nyala Teaching Hospital gebracht worden seien, habe zivile Kleidung getragen, erklärte „Ärzte ohne Grenzen“. Auch Frauen und Kinder hätten verletzt Hilfe gesucht. „Märkte, Wohnhäuser und wichtige zivile Infrastruktur dürfen nicht angegriffen werden“, betonte Projektkoordinator Dale Koninckx. „Alle Konfliktparteien müssen die Zivilbevölkerung schützen.“ Erst vor gut einer Woche waren nach einem Drohnenangriff auf einen Markt an der Grenze zwischen Südsudan und Sudan mehr als 150 Tote gemeldet worden.
Solche Angriffe beeinträchtigten auch den Zugang zu Nahrungsmitteln und Versorgungsgütern inmitten zunehmender Mangelernährung, erklärte Koninckx. Mehr als 33 Millionen Menschen in dem nordostafrikanischen Land brauchen laut den UN humanitäre Hilfe. Der Krieg hat zudem zu einer der weltweit größten Vertreibungskrisen geführt und mehr als elf Millionen Menschen in die Flucht gezwungen. UN-Experten werfen beiden Kriegsparteien schwere Verbrechen vor.




