Angstforscher: Gruseln an Halloween wirkt wie Selbsttherapie

Angstforscher: Gruseln an Halloween wirkt wie Selbsttherapie
Freiwilliges Gruseln an Halloween kann der menschlichen Psyche guttun, sagt der Angstforscher Borwin Bandelow. Er rät Eltern jedoch zu einem altersgerechten Maß für Kinder.
27.10.2026
epd
epd-Gespräch: Björn Schlüter

Göttingen (epd). Der Göttinger Angstforscher Borwin Bandelow sieht im Schaudern an Halloween und zu anderen Anlässen einen heilsamen Effekt für die Psyche. Erkenne der Mensch nach dem ersten Schreck das Ausbleiben einer echten Bedrohung, schütte der Körper Endorphine aus und sorge so für ein gesteigertes Wohlbefinden, sagte Bandelow dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Gerade furchtsame Menschen könnten von diesem biologischen Ablauf profitieren, betonte der Wissenschaftler. Wenn Ängste humorvoll aufgegriffen würden, könnten Betroffene lernen, besser mit ihnen umzugehen. „Das wirkt wie eine Art spielerische Selbsttherapie“, erklärte der Experte.

Wendung ins Lustige

Bei Kindern kommt es Bandelow zufolge vor allem auf die richtige Dosierung an. Eltern bräuchten nicht gleich psychologische Schäden zu befürchten, wenn der Nachwuchs mit Schreckgestalten konfrontiert werde. „Man sollte immer darauf achten, dass es bei der suggerierten Gefahr eine Wendung ins Lustige gibt“, sagte der Professor für Psychiatrie. Als Beispiel nannte er ein Gespenst, das sich selbst vor Kindern fürchte.

Welche Schreckensbilder Furcht erzeugten, sei an das jeweilige Alter gekoppelt. Während sich Vier- bis Sechsjährige vor Hexen, Zauberern oder Geistern fürchteten, entwickelten sich in den ersten Schuljahren eher Phobien vor Blut und Verletzungen. Entscheidend bleibe daher, den Grusel altersgerecht zu gestalten, damit Kinder Vergnügen empfänden und nicht in Überforderung gerieten.

Gemeinsamer Beutezug gibt Sicherheit

Bereits die gemeinsame Tour durch die Nachbarschaft bietet nach Ansicht des Forschers einen wirksamen Schutz gegen zu große Furcht. Wenn Gruppen loszögen, um an Haustüren nach Süßigkeiten zu fragen, dämpfe das Miteinander ein aufkommendes Angstgefühl spürbar, sagte Bandelow. Das Gemeinschaftserlebnis und die anschließende Belohnung mit Naschereien schafften rasch Erleichterung.

Sollte ein Kind bei Dunkelheit und Nebel dennoch von Panik erfasst werden, seien die Begleitpersonen gefordert. Eltern sollten ihren Nachwuchs in solchen Momenten schlicht in den Arm nehmen, um Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln, empfahl Bandelow. Seinen persönlichen Grusel gestand der Angstforscher ebenfalls ein: „Böse Clowns finde ich besonders verstörend - hinter der spaßigen Fassade lauert ein Monster.“