Bonn (epd). Die Jugendlichen in Deutschland blicken einer Studie zufolge kritisch auf die sozialen Medien im Internet. Acht von zehn 16- bis 18-Jährigen (80 Prozent) kennen demnach in ihrem persönlichen Umfeld Menschen, die aus ihrer Sicht süchtig nach sozialen Medien sind, wie die Postbank am Donnerstag in Bonn bei der Vorstellung ihrer „Jugend-Digitalstudie 2026“ mitteilte. Im vergangenen Jahr waren es noch 75 Prozent, im Jahr 2024 wiederum 78 Prozent. Mehr als die Hälfte (52 Prozent) der befragten Jungen und Mädchen hat zudem bereits einen abonnierten Kanal verlassen, weil dort zu viel Aggression, Hass oder Unwahrheiten verbreitet wurden.
37 Prozent deaktivierten aus diesen Gründen sogar ihr eigenes Profil auf einer Social-Media-Plattform. Fast jeder Zweite kannte zudem jemanden, der bereits über soziale Medien gemobbt wurde. „Jugendliche bewegen sich selbstverständlich in sozialen Netzwerken, reflektieren deren Risiken aber durchaus kritisch“, sagte der Leiter digitales Performance-Marketing der Postbank, David Dommel. „Dass viele Kanäle verlassen oder sogar ihre Profile deaktivieren, zeigt ein wachsendes Bewusstsein für die Gefahren digitaler Plattformen.“
Jugendliche verbringen mehr als 60 Stunden pro Woche im Internet
Für die Studie hat die Postbank im Juli 1.000 Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren befragen lassen. Jugendliche verbringen demnach durchschnittlich 64,6 Stunden pro Woche im Internet, einen Großteil davon in sozialen Netzwerken. Nahezu alle der bekanntesten zehn Social-Media-Kanäle verzeichneten im Vergleich zum Vorjahr höhere Nutzungswerte.
Bei jungen Menschen in Deutschland sei Instagram der beliebteste Social-Media-Kanal. 73 Prozent der Befragten nutzten die App, gefolgt von WhatsApp und YouTube mit jeweils 70 Prozent und TikTok mit 68 Prozent. Alle Plattformen konnten im Vergleich zum Vorjahr höhere Nutzungswerte erzielen. Besonders dynamisch entwickelte sich TikTok: Innerhalb eines Jahres stieg die Nutzung um 14 Prozentpunkte. Facebook erreichte dagegen nur noch 16 Prozent der Jugendlichen, ebenso wie Telegram und Twitch.
Auch wirtschaftlich gewinnen soziale Netzwerke laut der Untersuchung an Bedeutung. 54 Prozent der Jugendlichen hatten in den vergangenen sechs Monaten ein Produkt gekauft, weil sie es bei Influencern oder Bloggern gesehen haben. 2020 waren es noch 41 Prozent. Auch der direkte Einkauf über soziale Netzwerke ist verbreitet: 44 Prozent der 16- bis 18-Jährigen haben bereits mindestens einmal „Social Shopping“ genutzt, ein Viertel sogar mehrfach.
TikTok ist wichtigste Plattform beim „Social Shopping“
TikTok ist beim „Social Shopping“ die wichtigste Plattform. 55 Prozent der 16- bis 18-Jährigen, die bereits über soziale Medien eingekauft haben oder sich dies vorstellen können, nannten diesen Kanal - das waren 15 Prozentpunkte mehr als 2025. Instagram folgte mit 39 Prozent, nach 48 Prozent im Vorjahr. YouTube lag mit 24 Prozent auf Rang drei.
Die „Jugend-Digitalstudie“ der Postbank untersucht seit 2019, wie sich das Leben Jugendlicher in Deutschland bezüglich Digitalisierung verändert - dabei wird ein Fokus auf Finanzthemen gesetzt. Um eine repräsentative Struktur abzubilden, erfolgt eine Gewichtung der Stichprobe nach Bundesland, Alter und Geschlecht.




