Braunschweig (epd). Angesichts der bevorstehenden Zeitumstellung am Sonntag sieht der Physiker Ekkehard Peik von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig keine harten wissenschaftlichen Argumente für oder gegen eine mögliche Abschaffung. „Der erhoffte Vorteil der Energieeinsparung ist nicht eingetreten, und auch gesundheitliche Belastungen oder erhöhte Unfallzahlen sind statistisch nicht eindeutig belegt“, sagte der Zeitforscher dem Evangelischen Pressedienst (epd). Manche Menschen empfänden die Umstellung als störend, andere wollten an der Sommerzeit festhalten. Größere gesellschaftliche Auswirkungen gebe es jedoch nicht.
Peik, der den Fachbereich „Zeit und Frequenz“ an der Bundesanstalt leitet, warnte zugleich vor Überlegungen, bei einer möglichen Abschaffung der Umstellung die Sommerzeit dauerhaft festzuschreiben. Eine solche Regelung würde eine massive geografische Verschiebung bedeuten und etwa dem Sonnenstand der Zeitzone der Türkei entsprechen.
„Es macht für die Menschen in Paris oder Madrid absolut keinen Sinn, ihren Tagesablauf nach dem Sonnenstand in Istanbul zu orientieren“, sagte der Physiker. In Görlitz an der deutsch-polnischen Grenze hingegen stehe die Sonne im Winter um 12 Uhr mittags am höchsten, was der astronomischen Normalzeit entspreche.
Viele Systeme nutzen Braunschweiger Signal
Nachdem ein Vorstoß der EU-Kommission zur Abschaffung der Zeitumstellung im Jahr 2018 bereits durch darauffolgende Länderabstimmungen gescheitert war, lässt die Kommission derzeit eine weitere Studie zu den Auswirkungen einer Abschaffung erstellen. Mit einem Ergebnis wird Ende 2026 gerechnet.
Bei der Forschungseinrichtung in Braunschweig stelle die Weitergabe der gesetzlichen Zeit reine Routine dar, sagte der promovierte Physiker. „Wir checken vorher, ob alles richtig vorbereitet ist, und in der Nacht überprüfen wir, ob alles richtig gelaufen ist.“ Über das hauseigene Langwellensignal würden geschätzt etwa 100 Millionen Funkempfänger in ganz Mitteleuropa angesteuert. Neben Funkweckern und Armbanduhren nutzten auch die Verkehrssteuerung, Telekommunikationsanbieter für Tarifabrechnungen sowie Börsen und der Finanzhandel die Braunschweiger Zeitsignale.
DDR preschte bei Zeitumstellung voran
Die historische Einführung der Zeitumstellung im Jahr 1980 sei damals auch durch die deutsche Teilung geprägt gewesen, erläuterte der Forscher. Die DDR sei bei der Entscheidung vorangeprescht, woraufhin die Bundesrepublik rasch nachgezogen habe, um eine innerdeutsche Zeitgrenze zu verhindern.




