Berlin (epd). Zum 65. Jahrestag der Unterzeichnung des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) Fremdenfeindlichkeit verurteilt und Integration von Zuwanderern angemahnt. Bei einer Festveranstaltung am Dienstag in Berlin würdigte Merz die historische Einwanderung türkischer Arbeitskräfte als „Erfolgsgeschichte“, durch die das Land kulturell, wirtschaftlich, wissenschaftlich „und auch kulinarisch“ bereichert worden sei. Zugleich erinnerte er an die rassistisch motivierten Angriffe und Morde in Mölln, Solingen, Hanau sowie der rechtsextremen Terrorzelle NSU und warnte vor Vorurteilen. Angst vor dem Fremden sei „Gift jeder freiheitlichen Gesellschaft“, sagte Merz.
Um die Erfolgsgeschichte des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens zu sichern, habe die Bundesregierung „Ordnung der Integration zur Priorität gemacht“, sagte Merz. Dazu gehöre die Begrenzung der sogenannten irregulären Migration, um genügend Ressourcen für Integration in Kitas und Schulen zu haben. „Wir müssen mit feinem Gespür darauf achten, wo eine offene und tolerante Gesellschaft überfordert wird und dann zu kippen droht“, sagte der Kanzler.
Türkisch-stämmige Community größte Gruppe mit Migrationshintergrund
Das deutsch-türkische Anwerbeabkommen wurde am 30. Oktober 1961 geschlossen. Die Bundesregierung reagierte mit der Anwerbung von Migranten in den Wirtschaftswunderjahren auf den steigenden Bedarf an Arbeitskräften. Die als sogenannte Gastarbeiter bezeichneten Menschen aus der Türkei sollten ursprünglich nur befristet bleiben, viele wurden aber in Deutschland heimisch. Die Community der Menschen mit türkischen Wurzeln ist heute die größte Gruppe von Menschen mit Migrationsbezug in Deutschland.




