Frankfurt a.M. (epd). Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie, Michael Denkinger, hält eine ausgewogene Ernährung mit Blick auf ein langes und gesundes Leben für überbewertet. Dass das Essen einen so großen Unterschied machen soll, halte er für eines „der größten Gerüchte aller Zeiten“, sagte Denkinger der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Dienstag). Wichtiger für ein langes Leben seien Optimismus und ein soziales Miteinander.
„Optimismus hilft dabei, länger zu leben“, sagte Denkinger, der als Ärztlicher Direktor an der Agaplesion Bethesda Klinik in Ulm arbeitet. Optimismus sei in Beobachtungsstudien mit einer längeren Lebensdauer und günstigeren Erholungsverläufen nach Operationen verbunden. „Ob das nur am Patienten selbst liegt oder auch daran, dass sich der Optimismus auf die Operateure verbreitet, kann man dabei nicht sicher sagen“, erläuterte er.
Spanier sind „draußen und reden miteinander“
Zum Essen sagte der Mediziner: „Natürlich sollte man sich ausgewogen ernähren, also nicht zu viel Fleisch, nicht zu viel Zucker, allgemein keine hochkalorische Ernährung.“ Als ein relativierendes Beispiel nannte er aber das Leben in Spanien. „Dort ist die Lebenserwartung in Europa am höchsten und vegetarisches Essen eher unüblich, stattdessen trinkt man mittags vielleicht sogar noch ein Glas Wein“, sagt Denkinger.
Das Wesentliche beim Essen, und das sei gerade in diesen langlebigen Gesellschaften sehr ausgeprägt, sei der soziale Aspekt: „In Spanien sind die Leute draußen und reden miteinander. Die mediterrane Diät ist sicher der Gesundheit zuträglich, aber das Wichtigste ist eben doch das Miteinander.“




