Landau (epd). Wissenschaftler haben bei einer interdisziplinären Tagung in Landau für den Erhalt von Kneipen, Gaststätten und Cafés als wichtige Begegnungsorte geworben. Kneipen seien „dritte Orte“ neben dem Arbeitsplatz und dem eigenen Zuhause, sagte die Kunsthistorikern Ekaterini Kepetzis von der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau am Donnerstagabend. Dort könnten sich Menschen unterschiedlicher Herkunft treffen und austauschen. Die Tagung beleuchtete Orte „professioneller Gastlichkeit“ vor allem aus medienwissenschaftlicher Perspektive und zeigte deren heutiges gesellschaftliches Potenzial auf.
Die Kunsthistorikerin Nina Lucia Groß aus dem schleswig-holsteinischen Meldorf sagte, Gaststätten und Kneipen seien keine völlig offenen Räume, vielmehr gebe es auch „Schwellen“, die Menschen ausschlössen. Oft seien Gasträume eine männerdominierte Domäne. Dort arbeiteten Frauen etwa als Wirtinnen, „sie sitzen nicht im Gastraum“, sagte Groß.
„Bühne der Gesellschaft“
Der Bonner Kulturhistoriker Christoph Schmälzle hält Kneipen und Gasthäuser für eine „Bühne der Gesellschaft“, auf der Menschen ihre Idealvorstellung von einer Gesellschaft und einem guten Leben inszenierten. „Wir brauchen Kneipen als Mittelpunkt jedes Häuserblocks“, sagte er.
Der Landauer Romanist Gregor Schuhen merkte an, das „Dorfkneipensterben“ sei bedrohlich für die Demokratie. Diese Orte würden vermehrt von nicht-demokratischen Kräften „okkupiert“. Seit der frühen Neuzeit sei das Gasthaus als ein zentraler Raum für Zusammenkünfte an die Stelle der Kirche getreten.




