Genf, Berlin (epd). Mindestens 4.414 Kinder sind laut aktuellen Zahlen der Vereinten Nationen in den vergangenen zwölf Jahren auf weltweiten Migrationsrouten ums Leben gekommen. Wegen einer hohen Dunkelziffer dürfte die tatsächliche Zahl deutlich höher liegen, erklärte Stuart Campo von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) am Mittwoch mit Blick auf einen aktuellen Bericht. „Jedes Kind, das auf einer Migrationsreise ums Leben kommt, verdient es, gezählt zu werden, doch in den Daten fehlen noch immer zu viele“, betonte Campo.
Dem Bericht zufolge sind Kinder auf Migrationsrouten deutlich stärker gefährdet als Erwachsene, doch in den Daten zeigten sich große Leerstellen: Von 2014 bis 2025 registrierte das IOM-Projekt „Missing Migrants Project“ weltweit fast 81.000 Todes- und Vermisstenfälle unter Menschen auf der Flucht. Bei mehr als der Hälfte der Fälle fehlten jedoch Angaben zum Alter. Darunter könnten sich noch mehr Kinder befinden, heißt es in dem Bericht. Jugendliche könnten zudem fälschlich als Erwachsene registriert werden, wodurch das Ausmaß der Gefahr für Minderjährige auf Migrationsrouten unklar bleibe.
IOM: Bessere Datengrundlage zum Schutz von Menschen auf der Flucht nötig
Die Datenlücken zeigen sich im zentralen Mittelmeer, wo eine der tödlichsten Migrationsrouten weltweit verläuft: Im Jahr 2024 war etwa ein Fünftel der in Italien und Malta ankommenden, registrierten Migrantinnen und Migranten (19 Prozent) minderjährig. Im gleichen Zeitraum machten Kinder und Jugendliche jedoch zur zwei Prozent der verzeichneten Todesfälle aus.
Die UN-Organisation ruft angesichts der steigenden Opferzahlen zu verbesserten Such- und Rettungskapazitäten sowie der Zusammenarbeit von Regierungen auf. Todesfälle müssten systematischer dokumentiert, Alter und Migrationsstatus vermerkt und der Datenaustausch zwischen Behörden und Hilfsorganisationen verbessert werden, heißt es in dem IOM-Bericht. Die Internationale Organisation für Migration gehört zu den Vereinten Nationen und hat ihren Sitz in Genf.




