Hannover (epd). Bei Online-Bewertungen von stationären Pflegeeinrichtungen stehen persönliche Begegnungen und das zwischenmenschliche Miteinander im Alltag im Vordergrund. Zu diesem Ergebnis kommt eine bundesweite Untersuchung der Hochschule Hannover und der Universität Bielefeld, wie die hannoversche Hochschule am Dienstag mitteilte. Pflegefachliche Einzelaspekte spielten in den Rückmeldungen im Internet hingegen meist eine untergeordnete Rolle.
Für das dreijährige Forschungsprojekt „ErPA“ („Erfahrungsberichte und Bewertungen von Pflegebedürftigen und Angehörigen in den sozialen Medien“) wurden erstmals in Deutschland mehr als 114.000 Google-Einträge von nahezu 10.000 Heimen wissenschaftlich ausgewertet. Zudem interviewten die Verantwortlichen Angehörige und Einrichtungsleitungen. Die Studie wurde von der Volkswagenstiftung und dem niedersächsischen Wissenschaftsministerium gefördert.
Neue Perspektiven
„Online-Bewertungen sind weit mehr als Sterne im Internet“, sagte Projektleiterin Nina Fleischmann von der Hochschule Hannover. „Sie machen sichtbar, was Menschen im Alltag als gute oder schlechte Pflege erleben, etwa Freundlichkeit, Kommunikation, Atmosphäre oder den Umgang mit Angehörigen.“ Diese Perspektive werde in klassischen Qualitätsberichten bislang nur begrenzt abgebildet.
Negative Einträge würden besonders häufig gelesen und könnten das öffentliche Bild eines Heims nachhaltig prägen, hieß es. Fast 87 Prozent der befragten Angehörigen gaben laut Mitteilung an, bereits Online-Bewertungen zu Pflegeheimen gelesen zu haben. Bei der Wahl eines Heimes wögen persönliche Eindrücke und Empfehlungen schwerer als die Sternebewertung. Viele Angehörige wünschten sich, dass Einrichtungen insbesondere auf kritische Bewertungen öffentlich reagieren. Einrichtungsleitungen zögen es dagegen meist vor, darauf im direkten Gespräch einzugehen.




