Ataman fordert Maßnahmen gegen Diskriminierung in Wechseljahren

Ataman fordert Maßnahmen gegen Diskriminierung in Wechseljahren
Müdigkeit, Hitzewallungen, starke Blutungen: Viele Frauen haben in den Wechseljahren Beschwerden, die es schwer machen, im Job zu funktionieren. Zu selten werde darüber gesprochen und Frauen geholfen, kritisiert die Antidiskriminierungsbeauftragte.

Berlin (epd). Die Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes, Ferda Ataman, fordert eine Strategie gegen Benachteiligung von Frauen in den Wechseljahren. Viele Frauen trauten sich am Arbeitsplatz nicht, offen über Wechseljahresbeschwerden zu sprechen, sagte Ataman am Dienstag in Berlin. Das Thema komme langsam aus der Tabuzone, Unterstützung stehe aber noch am Anfang. Mehr als elf Millionen Frauen in Deutschland seien zwischen 40 und 60 Jahre alt und damit potenziell betroffen, sagte Ataman. Auf ihre Leistung könne die Gesellschaft nicht verzichten.

Gemeinsam mit Expertinnen für das Thema Wechseljahre stellte Ataman Handlungsempfehlungen vor. Zwei zentrale Kritikpunkte hat das rund 30-seitige Papier: Es gebe zu wenig Wissen und damit mangelnde medizinische Versorgung sowie zu wenig Verständnis und Unterstützung von Frauen in den Wechseljahren in der Arbeitswelt. Ataman fordert, an beidem etwas zu ändern.

Chefärztin: Wechseljahre in Gynäkologie-Ausbildung kaum Thema

Die Ärztin Mandy Mangler, Vorsitzende der Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe Berlin, sagte, Wechseljahre würden im Medizinstudium nur rudimentär behandelt. „Man kann Frauenärztin werden, ohne intensiv mit dem Thema zu tun gehabt zu haben“, sagte die Chefärztin am Vivantes Klinikum in der Hauptstadt. Ein weiteres Problem nach ihren Worten: Für eine ärztliche Beratung zum Thema Wechseljahre gibt es keine Abrechnungsziffer. Berät eine Gynäkologin, bekommt sie dafür kein Geld - oder sie macht daraus ein Privatangebot, das sich jedoch nicht jede leisten kann.

Teil einer „Nationalen Wechseljahres-Strategie“, wie Ataman sie fordert, soll zudem sein, dass Arbeitgeber dazu gebracht werden, Frauen in dieser Phase zu unterstützen. Dies sei oft mit einfachen Maßnahmen möglich, sagte Ataman, etwa durch flexible Arbeitszeiten, geeignete Raumtemperaturen, Zugang zu Toiletten und betriebsärztliche Beratung.

Die Autorin Miriam Stein, die für ein Buch über Wechseljahre recherchiert hat, sagte, in bestimmten Berufen sei auch Arbeitskleidung ein Problem, etwa für Polizistinnen, Pflegefachkräfte oder Verkäuferinnen. Sei die Kleidung atmungsaktiv, mache das bereits einen großen Unterschied.

Autorin: Ruheräume wie in der DDR wären Erleichterung

Für Jobs, in denen Homeoffice oder flexible Arbeitszeiten nicht möglich sind, habe es in der DDR bereits eine Maßnahme gegeben: den sogenannten Frauenruheraum, sagte Stein. „Es gibt durchwachsene Erfahrungen damit, aber alle Frauen erinnern sich, dass es den gab“, sagte sie. Solche Ruheräume würden die Möglichkeit bieten, sich im Arbeitsalltag zeitweilig zurückzuziehen. „Für Lehrerinnen und Erzieherinnen wäre das eine enorme Erleichterung“, sagte sie.

Für Ataman ist klar, dass die Zeit vorbei sein müsse, in der gegolten habe, Schmerzen, Schlaflosigkeit und Hitzewallungen einfach zu ertragen. Sie forderte zudem eine gesetzliche Klarstellung, dass der Diskriminierungsschutz im Arbeitsleben auch für Frauen in den Wechseljahren gilt. Dies könne zum Beispiel der Fall sein, wenn eine Frau aufgrund von Wechseljahresbeschwerden und damit verbundenem Unterstützungsbedarf keine Vertragsverlängerung erhält, sagte Ataman. In ihren Augen sei das eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, rechtlich sei das aber nicht eindeutig klar.