EKD-Präses: Keine Wehrpflicht ohne Mitsprache junger Menschen

EKD-Präses: Keine Wehrpflicht ohne Mitsprache junger Menschen
Die Wehrpflicht bleibt in der politischen Diskussion. Zum jetzigen Zeitpunkt und ohne Beteiligung junger Menschen sei sie gegen die Wiedereinführung, sagt die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich.

Berlin (epd). Die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich, lehnt die Wiedereinführung einer Wehrpflicht ohne eine ernsthafte Beteiligung junger Menschen ab. „Wer von jungen Menschen einen solchen Dienst verlangt, muss ihnen auch echte Mitsprache geben“, sagte Heinrich am Montag bei einer Diskussion zum Thema in Berlin. Sie äußerte zudem die Hoffnung, „dass wir ohne eine Dienstpflicht auskommen“.

Heinrich verwies als Argument gegen eine Wehrpflicht zum jetzigen Zeitpunkt auch darauf, dass das neue Wehrdienstgesetz mit einer verpflichtenden Musterung und Befragung junger Männer gerade erst angelaufen sei. „Wer jetzt schon nach der Pflicht ruft, gibt auf, bevor wir es überhaupt ausprobiert haben“, sagte sie.

Debattenabend bei evangelischer Kirche über Wehrpflicht

Heinrich äußerte sich in einem Statement bei einem Debattenabend, den die EKD in Kooperation mit dem Verein „Jugend debattiert“, der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen und der Hertie Stiftung veranstaltete. Er stand unter der Leitfrage „Brauchen wir die Wehrpflicht?“. Dabei sollte es vor allem darum gehen, Vertreter und Vertreterinnen verschiedener Generationen ins Gespräch zu bringen.

Gegen die Wehrpflicht sprachen sich bei der Veranstaltung auch Diskutierende der Aktion „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ und der internationalen Friedensorganisation IPPNW aus. Einziger Befürworter der Wehrpflicht war der Vertreter der CDU-Jugendorganisation Junge Union, Lukas Joselewitsch. Er sprach sich für eine „Kontingentwehrpflicht“ aus, um den Personalbedarf der Bundeswehr so zu decken. Eine wehrhafte Demokratie müsse sich nicht nur gegen Bedrohungen von innen, sondern auch von außen verteidigen, sagte er. Ein wehrhafter Staat brauche eine handlungsfähige Diplomatie und eine glaubwürdige Abschreckung.