New York, Genf (epd). Die Zahl der Menschen, die in akuter Armut leben, ist laut den Vereinten Nationen zum ersten Mal seit 2010 gestiegen. Rund 1,2 Milliarden Menschen seien von sogenannter mehrdimensionaler Armut betroffen, teilte das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) am Montag in New York mit. Das seien 51,5 Millionen mehr als 2025.
Die Organisation gibt seit 2010 den sogenannten mehrdimensionalen Armuts-Index heraus, der neben finanzieller Armut und Hunger auch Faktoren wie Bildungschancen, Wohnraum und Zugang zu Wasser und Strom einbezieht. In den untersuchten 108 Ländern lebten insgesamt 6,3 Milliarden Menschen, hieß es in dem UNDP-Bericht. Die Menschen, die in mehrdimensionaler Armut leben, machen also knapp 19 Prozent der Bevölkerung aus. 617 Millionen von ihnen sind demnach Kinder unter 18 Jahren. Rund 83 Prozent der akut armen Menschen lebten in ländlichen Gebieten.
Gesundheit, Bildung, Lebensstandard
„Der Anstieg der Armut sollte ein Weckruf für die Welt sein“, erklärte UNDP-Chef Alexander De Croo. Dies sei inakzeptabel und könne mit entschlossenem und gemeinsamen Handeln verändert werden.
Der Index stuft Menschen den Angaben nach als mehrdimensional arm ein, wenn sie bei einem Drittel oder mehr von zehn gewichteten Indikatoren in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Lebensstandard Benachteiligungen aufweisen. Der Global Multidimensional Poverty Index (MPI) umfasse Länder in Entwicklungsregionen, die 78 Prozent der Weltbevölkerung ausmachten. Das UNDP erstellt den Index zusammen mit der Oxford Poverty and Human Development Initiative, eine Forschungseinrichtung der Universität Oxford.
Dabei ergebe sich ein gemischtes Bild, erklärten die Organisationen. Während die Armutsrate und die Zahl der mehrdimensional armen Menschen in Ländern wie Ägypten, Nepal und Tadschikistan deutlich zurückgegangen sei, seien in Nigeria Fortschritte der 2010er Jahre im laufenden Jahrzehnt zunichtegemacht worden. In Angola und Sambia ging zwar der Anteil der Armen zurück, doch die Gesamtzahl stieg wegen des Bevölkerungswachstums dennoch.




