Berlin (epd). Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat an seinem aktuellen Amtssitz in Berlin eine Gedenktafel in Erinnerung an die sogenannte Vermögensverwertungsstelle unter den Nationalsozialisten eingeweiht. Die beim Oberfinanzpräsidenten Berlin-Brandenburg angesiedelte Behörde war zwischen 1942 und 1945 für die Registrierung des Vermögens rassisch und politisch Verfolgter durch das Nazi-Regime zuständig. Ihr Sitz war am aktuellen Standort des Amtssitzes des Bundespräsidenten im Spreebogen unweit der Moltkebrücke. Die Gedenktafel war bereits einmal 1994 dort vorübergehend angebracht und wegen Bauarbeiten 2022 entfernt worden.
Steinmeier sagte am Montag laut Redemanuskript, die Geschichte der Vermögensverwertungsstelle mahne zur Wachsamkeit: „Unser demokratischer Staat braucht Beamte und Angestellte, die Verantwortung für Menschenwürde, Freiheit und Demokratie übernehmen.“ Und er brauche Bürgerinnen und Bürger, die sich dafür einsetzen, dass Regierung und Verwaltung „nicht in die Hände der Verächter unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung fallen“.
Warnung vor dem Vergessen
Die Erinnerung an Nationalsozialismus, Holocaust und Massenmord gehöre zur Identität Deutschlands. „Was sich nicht wiederholen soll, das darf nicht vergessen werden“, erklärte Steinmeier.
Er bezeichnete die rund 200 Mitarbeiter als „Schreibtischtäter in der bürokratischen Maschinerie des Massenmords, die für den NS-Staat legalisierten Raub begingen“. Die 40.000 erhaltenen Akten zeigten auch, wie viele Deutsche von der Vermögensverwertungsstelle profitierten und sich am geraubten Vermögen bereicherten.




