Sudan: Hunderttausende von Gesundheitsversorgung abgeschnitten

Sudan: Hunderttausende von Gesundheitsversorgung abgeschnitten
Nach Kürzungen von Hilfsgeldern sind im Sudan zusätzlich Hunderttausende Menschen von einer Gesundheitskrise bedroht. Zudem gebe es kaum noch Schutzangebote für Frauen, warnt eine Hilfsorganisation.
10.10.2026
epd
epd-Gespräch: Melina Crispin

Frankfurt a.M. (epd). Fast eine halbe Million Menschen im Sudan haben laut der Hilfsorganisation International Rescue Committee (IRC) den Zugang zu lebenswichtiger Gesundheitsversorgung verloren. Grund sei die Streichung humanitärer Hilfsgelder, sagte Madiha Raza vom IRC-Afrikabüro, die derzeit im Sudan ist, dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Im Sudan herrscht die schlimmste humanitäre Krise der Welt, über 33 Millionen Menschen sind in Not, die eingestellten Hilfen haben drastische Auswirkungen.“

Im humanitären Hilfsplan von Vereinten Nationen und Hilfsorganisationen für Sudan seien für 2026 fast drei Milliarden US-Dollar beantragt, bis Oktober aber nur 43 Prozent der Summe bereitgestellt worden.

In der Folge hätten bereits 36 Gesundheitseinrichtungen, 29 Ernährungszentren, 8 Schutzräume für Frauen und Mädchen sowie 6 Kinderschutzräume schließen müssen. „Wir versuchen momentan mit weniger Ressourcen, unsere Hilfsangebote irgendwie aufrechtzuerhalten“, sagte Raza.

Vulnerable Gruppen besonders betroffen

Frauen und Mädchen seien vermehrt von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen, zugleich gebe es kaum noch Schutzangebote. Viele Kinder seien mangelernährt und deshalb anfälliger für Krankheiten und kognitive Einschränkungen. Ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen könnten oft nicht rechtzeitig fliehen und blieben häufig in Hochrisikogebieten zurück.

Durch den seit zweieinhalb Jahren anhaltenden Krieg zwischen der Armee und den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) haben Raza zufolge Millionen Menschen keinen sicheren Zugang mehr zu Märkten oder Essensausgaben. Fast 30 Millionen Menschen hätten nicht genug zu essen, mindestens 135.000 Menschen ständen vor einer Hungersnot.

In der umkämpften Stadt Al-Faschir sowie den Bundesstaaten Nord-Darfur und Süd-Kordofan seien Hungernöte bereits offiziell bestätigt worden. Tausende hätten keinen Zugang zu sauberem Wasser, Krankheiten wie Cholera breiteten sich aus.

„Menschen in Sudan sind unglaublich resilient“

In die Hauptstadt Khartum sei derweil eine „sehr fragile Stabilität zurückgekehrt“. Doch viele fragten sich: „Kann ich es wagen, mein Haus wiederaufzubauen? Die Menschen sind besorgt, dass die Lage nicht stabil genug ist“, sagte Raza.

Die Bevölkerung organisiere sich in der Not selbst. Es gebe viele Gemeinschaftsküchen, in denen Ehrenamtliche für die Nachbarschaft kochen. „Die Menschen in Sudan sind unglaublich resilient.“