Eklat bei Gedenken an Opfer des Synagogen-Anschlags von Halle

Eklat bei Gedenken an Opfer des Synagogen-Anschlags von Halle
Die Holztür der Synagoge von Halle (Saale) stoppte vor sieben Jahren einen Rechtsterroristen bei seinem Anschlagsversuch. Am Freitag wurde an die Geschehnisse vom 9. Oktober 2019 erinnert. Für Aufsehen sorgte AfD-Landtagsvizepräsident Tillschneider.
09.10.2026
epd
Von Thomas Nawrath (epd)

Halle (epd). Beim Gedenken an die Opfer des terroristischen Anschlags vom 9. Oktober 2019 in Halle (Saale) ist es am Freitag zu einem Eklat gekommen: Vertreter der Jüdischen Studierendenunion Deutschland verweigerten dem AfD-Politiker und neuem Landtagsvizepräsidenten von Sachsen-Anhalt, Hans-Thomas Tillschneider, mit einer Menschenkette den Zutritt zum Gelände der Synagoge. Nach Angaben der Zeitung „Jüdische Allgemeine“ forderten die Studierenden den Politiker auf, das Andenken an die Opfer des Anschlags nicht zu beschmutzen.

Mit einer Reihe von Veranstaltungen und Initiativen war an die Geschehnisse vor sieben Jahren erinnert worden. Am jüdischen Feiertag Jom Kippur, der damals auf den 9. Oktober fiel, hatte der Rechtsterrorist Stephan B. versucht, in die Synagoge einzudringen. Er schoss mehrfach auf die Holztür, kam jedoch nicht in das Gotteshaus. Vor diesem erschoss er die 40-jährige Jana S. und tötete an einem Imbiss in der Nähe den 20-jährigen Kevin S. Zwei weitere Menschen verletzte der Attentäter auf seiner Flucht schwer. Im Jahr 2020 verurteilte ihn das Oberlandesgericht Naumburg zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.

„Antisemitismus ist nicht verschwunden“

Zum damaligen Anschlagszeitpunkt um 12.03 Uhr läuteten am Freitag stadtweit die Kirchenglocken. Zudem stand der Straßenbahnverkehr für eine Minute still. An der Synagoge in der Humboldtstraße fand ein stilles Gedenken statt, an dem Ministerpräsident Sven Schulze, dessen Amtsvorgänger Reiner Haseloff (beide CDU), Vertreter der Stadt und der Zivilgesellschaft teilnahmen.

„Der 9. Oktober 2019 hat unser Land verändert. Dieser Anschlag hat uns gezeigt, wohin Antisemitismus und Menschenhass führen können“, sagte Schulze. „Weil ein Rechtsextremist aus Hass auf Jüdinnen und Juden möglichst viele Menschen töten wollte“, seien die Opfer zu beklagen. Gedenken sei aber auch nötig, „weil Antisemitismus und Rechtsextremismus nicht verschwunden sind“.

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Max Privorozki, sagte: „Der Kampf gegen Antisemitismus und Menschenhass bleibt unsere Aufgabe.“ Schulze betonte: „Jüdisches Leben gehört zu Sachsen-Anhalt. Jüdinnen und Juden sollen hier sicher und selbstverständlich leben können. Daran müssen wir als Gesellschaft gemeinsam arbeiten - jeden Tag.“

AfD habe „Grenzen des Sagbaren“ verschoben

Für die Jüdische Studierendenunion Deutschland gehörte dazu, dem Vize-Landtagspräsidenten von der AfD den Zugang zur Synagoge zu verwehren: „Wir werfen Leuten wie Tillschneider und der AfD vor, dass sie die Grenzen des Sagbaren so weit verschoben haben, dass dieser Anschlag erst möglich geworden ist“, sagte Präsident Ron Dekel der „Jüdischen Allgemeinen“. Auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, kritisierte das Auftreten des Landtagsabgeordneten als „politische Instrumentalisierung“.

Nach Ansicht der AfD-Fraktion ist hingegen durch das Agieren „linker Studenten“ das „Andenken an die unschuldigen Opfer des Amoklaufs gestört“ worden. Nach erfolglosen Vermittlungsversuchen der Polizei entschied Tillschneider, nicht am Gedenken teilzunehmen.