Bonn, Berlin (epd). Der Bundesverband Donum Vitae und die BAG Selbsthilfe begrüßen die Entscheidung des Bundestags, die Praxis vorgeburtlicher Tests auf eine Behinderung des ungeborenen Kindes von einem Fachgremium überprüfen zu lassen. Inzwischen komme der nicht-invasive Pränataltest (NIPT) in fast 50 Prozent der Schwangerschaften zur Anwendung, sagte Olaf Tyllack, Bundesvorsitzender von Donum Vitae, am Freitag in Bonn. Das sei im Zusammenhang mit der Kassenzulassung des NIPT im Jahr 2022 vom Gemeinsamen Bundesausschuss so nicht vorgesehen gewesen.
Auch die BAG Selbsthilfe mit Sitz in Düsseldorf unterstützt den Beschluss des Bundestags. Bundesgeschäftsführer Martin Danner betonte zugleich, dass der vorgeburtliche Bluttest auf eine Behinderung des Kinds weiterhin Kassenleistung bleiben müsse. „Entscheidend ist, dass Schwangere unabhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten Zugang zum NIPT haben und ihre Entscheidung auf Grundlage einer ergebnisoffenen, qualitätsgesicherten Beratung und ohne gesellschaftlichen Druck treffen können“, erklärte Danner.
Ausbau psychosozialer Beratungsangebote angemahnt
Beide Verbände unterstrichen die Bedeutung einer verantwortungsvollen Begleitung der pränatalen Diagnostik. Neben der systematischen Beobachtung der Auswirkungen seien mehr Aufklärung über das Verfahren und der Ausbau psychosozialer Beratungsangebote wichtig, damit Schwangere bei ihren individuellen Entscheidungen gut unterstützt werden.
Nach Beschluss des Bundestags von Donnerstag soll ein Expertengremium die Anwendungspraxis vorgeburtlicher Bluttests als Kassenleistung prüfen. Bei einer „gerechtfertigten medizinischen Indikation“ sollen die Kassen laut eines ebenfalls verabschiedeten Änderungsantrags aber auch künftig die Kosten übernehmen. Die Tests geben anhand einer Blutprobe der Schwangeren Auskunft über die Möglichkeit bestimmter genetischer Veränderung beim ungeborenen Kind, etwa der Trisomie 21, bekannt als Down-Syndrom.




