Berlin (epd). 25 Litfaßsäulen sollen ab Dienstag an vielen Orten Berlins an NS-Deportationen vor 85 Jahren erinnern. Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ mache 100 jüdische Menschen mit Fotografien und Auszügen aus ihren Lebensgeschichten im Stadtraum sichtbar, teilten die Initiatoren am Donnerstag mit. Damit werde den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung ein Gesicht gegeben. Das Projekt soll bis zum 16. November laufen.
Geplant ist auch eine Veranstaltung am 15. Oktober in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Daran sollen unter anderem der Zeitzeuge Michael Meisels, Überlebender des Ghettos Theresienstadt, und der Vorsitzende des Weltkirchenrats, der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm, teilnehmen. Ferner werden die Präsidentin des Internationalen Auschwitzkomitees, Eva Umlauf, und die Vorsitzende der Gedenkstätte Zwangslager Berlin-Marzahn, Petra Rosenberg, erwartet. Auf dem Vorplatz der Kirche werde das Berliner Theater Anu eine Kunstinstallation als Ort des Erinnerns errichten.
Mindestens 55.000 Berliner Jüdinnen und Juden wurden deportiert
Das Projekt erinnert an den ersten sogenannten „Osttransport“, mit dem am 18. Oktober 1941 mehr als 1.000 Jüdinnen und Juden über den Bahnhof Grunewald ins Ghetto Litzmannstadt im besetzten Polen gebracht wurden. Insgesamt wurden schätzungsweise mindestens 55.000 Berliner Jüdinnen und Juden deportiert.
Kooperationspartner von „Sie wollten leben“ sind den Angaben nach unter anderem der Verein Gleis 69, die Berliner Stolperstein-Initiativen und die Evangelische Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirchengemeinde. Initiator ist der Regisseur und Kulturmanager Günter Jeschonnek.




