Psychische Erkrankungen sorgen für lange Ausfälle am Arbeitsplatz

Psychische Erkrankungen sorgen für lange Ausfälle am Arbeitsplatz
Während die Fehltage von Beschäftigten insgesamt nicht mehr gestiegen sind, fallen Menschen mit psychischen Erkrankungen besonders lange aus. Das zeigen Daten der AOK. Die Belastung ist zwischen den Berufsgruppen ungleich verteilt.
08.10.2026
epd
Von Christina Neuhaus (epd)

Berlin (epd). Psychische Erkrankungen sorgen für deutlich mehr Ausfälle von Beschäftigten als noch vor zehn Jahren. Von 2016 bis 2025 stieg die Zahl der Krankschreibungstage wegen entsprechender Diagnosen um 42 Prozent, wie aus einem Datenreport des AOK-Bundesverbands hervorgeht, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Zu den besonders oft Betroffenen zählen Pflegekräfte. Die Zahl der Fehltage insgesamt ging zuletzt leicht zurück.

Für den neuen „Fehlzeiten-Report“ analysierte das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) Daten zu den Versicherten der Krankenkasse. Demnach gab es 2016 aufgrund psychischer Krankheiten rechnerisch 248 Krankschreibungstage pro 100 AOK-Versicherten. 2025 waren es hingegen 403 Ausfalltage.

Expertin: Lange Ausfallzeiten müssen nicht sein

Zwar seien Krankschreibungen wegen anderer gesundheitlicher Probleme, insbesondere wegen Atemwegserkrankungen, viel häufiger als solche mit psychischer Ursache, erklärte die AOK. Jedoch fielen Beschäftigte mit einer psychischen Erkrankung besonders lange aus. Im Durchschnitt seien sie im vergangenen Jahr 28,5 Tage krankgeschrieben worden, während der Ausfall bei Atemwegserkrankung durchschnittlich 5,7 Tage gedauert habe.

Allerdings seien lange Ausfallzeiten bei psychischen Erkrankungen „nicht per se gesetzt“, sagte die Sozialmedizinerin Steffi Riedel-Heller von der Universität Leipzig, eine der Autorinnen des „Fehlzeiten-Reports“. Prävention und ein Bewusstsein aller Beteiligter für die Probleme seien hier Ansatzpunkte. Riedel-Heller verwies auch auf die Möglichkeit der Teilkrankschreibung, deren Einführung mit der Krankenkassen-Reform beschlossen wurde. Das könne es Menschen mit psychischen Erkrankungen erleichtern, mit verringerter Stundenzahl zu arbeiten, auch wenn „noch nicht alles wieder gut“ sei.

„Helfende und beratende Berufe“ besonders belastend

Menschen in bestimmten Berufsgruppen fallen laut den AOK-Daten deutlich öfter wegen psychischer Erkrankungen aus als andere. Besonders betroffen seien etwa „Berufe im Dialogmarketing“ - dazu gehören Beschäftigte in Callcentern - mit 39 Krankschreibungsfällen pro 100 AOK-Versicherten im Jahr 2025. Auch bei Pflegekräften und Beschäftigten in der Kinderbetreuung waren die Werte überdurchschnittlich hoch. „Helfende und beratende Berufe belasten die Psyche“, überschrieb die AOK die entsprechende Tabelle.

Insgesamt seien die Fehlzeiten der Beschäftigten zuletzt leicht gesunken, teilte die Krankenkasse weiter mit. 2025 seien 23,3 Arbeitsunfähigkeitstage pro AOK-Mitglied registriert worden. 2024 waren es 23,9 Tage, ebenso wie 2023. Der bisherige Spitzenwert wurde den Angaben zufolge im Corona-Jahr 2022 mit 24,5 Krankheitstagen erreicht. Offenbar setzt sich der Abwärtstrend fort: Im ersten Halbjahr 2026 wurden laut den AOK-Daten weniger Krankschreibungstage erfasst als im Vorjahreszeitraum.