Frankfurt a.M. (epd). Die Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank hat einen Digital-Report vorgelegt, der Antisemitismus auf Social-Media-Plattformen als eine Brückenideologie zwischen unterschiedlichen Gruppierungen darstellt. Antisemitismus verbinde auf TikTok, Instagram und anderen Plattformen islamistische, rechtsextreme und vorgeblich unpolitische Milieus miteinander, teilte die Bildungsstätte am Dienstag in Frankfurt am Main mit. Der Report mit dem Titel „Zwischen Gym und Weltverschwörung“ mache das an zahlreichen Beispielen deutlich.
„Zwischen Proteinshakes und Trainings-Routinen geht es dann plötzlich um den Nahostkonflikt oder eine vermeintliche jüdische Weltverschwörung, mal ganz offen, oft auch nur über raunende Andeutungen oder antisemitische Codes und Memes“, sagte Deborah Schnabel, die Direktorin der Bildungsstätte. In den vergangenen Monaten habe die Bildungsstätte zunehmend beobachtet, wie auf Social-Media-Plattformen antisemitische, queerfeindliche und antifeministische Inhalte zu einem autoritären Syndrom zusammenwüchsen.
Antimoderne Deutung für Krisen
Der Kitt, der etwa islamistische und rechtsextreme Akteure trotz unterschiedlicher Weltanschauungen in Beziehung zueinanderbringe, seien Antisemitismus und Antigenderismus, heißt es in dem Report. Beide Ideologien böten eine gemeinsame antimoderne Deutung gesellschaftlicher Krisen. Der Antisemitismus liefere auf einer makropolitischen Ebene die Verschwörungserzählung, der Antigenderismus hingegen operiere auf der mikropolitischen Ebene und biete einfache Feindbilder. Um dem entgegentreten zu können, müssten unter anderem antisemitische, queerfeindliche und antifeministische Erzählungen und Theorien in ihrer Eigenständigkeit behandelt, zugleich aber in ihren Überschneidungen sichtbar gemacht werden.




