Rückgang bei deutschen Klima-Hilfsgeldern für Globalen Süden

Rückgang bei deutschen Klima-Hilfsgeldern für Globalen Süden
2025 wurden 1,4 Milliarden Euro weniger als im Vorjahr aus dem Bundeshaushalt für die Klimafinanzierung bereitgestellt. Oxfam warnt vor einem Vertrauensverlust wenige Wochen vor Beginn der 31. Weltklimakonferenz in Antalya.
06.10.2026
epd
Von Moritz Elliesen (epd)

Berlin (epd). Deutschland hat 2025 deutlich weniger Haushaltsmittel für die internationale Klimafinanzierung bereitgestellt als noch im Vorjahr. Laut der am Dienstag vom Entwicklungs- und Umweltministerium veröffentlichten Zahlen sanken die Gelder aus dem Bundeshaushalt auf 4,7 Milliarden Euro. Damit lagen die Mittel, mit denen etwa die Anpassung an die Folgen der Erderwärmung in ärmeren Ländern unterstützt werden sollen, unter der Summe von mindestens sechs Milliarden Euro, die von Vorgängerregierungen zugesagt worden war.

Noch 2024 hatte Deutschland 6,1 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt für die Klimafinanzierung bereitgestellt. Scharfe Kritik kam von Umweltschützern. Der Rückgang sende das „falsche Signal an die internationale Gemeinschaft und die besonders verwundbaren Länder, die auf verlässliche Hilfe angewiesen sind“, sagte Marianne Lotz, Klimafinanzexpertin beim WWF.

Insgesamt 10,8 Milliarden Euro

Die beiden Ministerien verwiesen bei der Veröffentlichung der Zahlen auf private Investitionen und Kredite. Den Angaben zufolge wurden aus mobilisierten Mitteln insgesamt 6,1 Milliarden Euro bereitgestellt. Damit gemeint sind Kredite über die KfW-Bank oder die Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) sowie gehebelte private Investitionen. Zusammengerechnet sind damit im vergangenen Jahr 10,8 Milliarden Euro für Klimavorhaben aus Deutschland in Entwicklungs- und Schwellenländer geflossen.

Die internationale Gemeinschaft hat sich darauf verpflichtet, ärmere Staaten bei der Vermeidung von CO2 und der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen, etwa durch den Ausbau erneuerbarer Energien. Bis einschließlich 2025 lag die vereinbarte Zielmarke bei jährlich 100 Milliarden US-Dollar. Bis 2035 soll die Summe auf mindestens 300 Milliarden Dollar pro Jahr steigen.

Wiederkehrender Streit um Klima-Hilfsgelder

Über die finanzielle Unterstützung von Ländern des Globalen Südens beim Umgang mit der Klimakrise wird immer wieder erbittert gerungen. Bei den Weltklimagipfeln ist dies wiederkehrend eines der großen Streitthemen. Viele Entwicklungsländer dringen auf mehr Geld insgesamt und fordern auch einen größeren Anteil öffentlicher Zuschüsse.

Deutschland hatte noch unter den Vorgängerregierungen der aktuellen schwarz-roten Koalition zugesagt, bis 2025 mindestens sechs Milliarden Euro pro Jahr aus öffentlichen Haushaltsmitteln beizusteuern. Diesel Ziel wurde 2022 und 2024 erreicht.

Oxfam wirft Bundesregierung „Wortbruch“ vor

Die Entwicklungsorganisation Oxfam warf der Bundesregierung angesichts des Rückgangs im vergangenen Jahr nun „Wortbruch“ vor. Dies werfe auch einen Schatten auf die Verhandlungen bei der 31. Weltklimakonferenz im türkischen Antalya im November. Vertrauen, Kooperation und Solidarität seien die „die wichtigste Währung bei der Bewältigung der globalen Klimakrise“, sagte der Oxfam-Klimapolitikexperte Jan Kowalzig.

Den größten Anteil an den öffentlichen Mitteln stellte 2025 das Entwicklungsministerium bereit. 85 Prozent der Gelder kamen aus dem Entwicklungsetat. Die restlichen Mittel seien überwiegen aus dem Bundesumweltministerium gekommen, hieß es. Angesichts der Kürzungen bei der Entwicklungszusammenarbeit in den vergangenen Jahren hatte sich ein Rückgang bei der Klimafinanzierung bereits abgezeichnet.

Ministerin: Bundesregierung steht zu Klimazielen

Die Bundesregierung stehe zu ihren Zielen für den internationalen Klimaschutz, sagte Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD). In Zeiten sinkender öffentlicher Haushalte setze man zunehmend „auch auf Hebelung im Kapitalmarkt und private Investitionen“.