Darmstadt, Kassel (epd). Die Evangelischen Kirchen in Hessen und Nassau und von Kurhessen-Waldeck rufen dazu auf, jüdisches Leben in Deutschland angesichts des wachsenden Antisemitismus zu schützen. „Wir treten Antisemitismus entschieden entgegen - überall dort, wo Menschen ausgegrenzt, bedroht oder angegriffen werden, weil sie jüdisch sind“, erklären die kurhessische Bischöfin Beate Hofmann und die hessen-nassauische Kirchenpräsidentin Christiane Tietz in einem am Montag gemeinsam veröffentlichten Schreiben. Anlass ist der dritte Jahrestag des islamistischen Terrorangriffs der Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023.
Für Christinnen und Christen sei es wichtig, „dass jüdisches Leben sichtbar und selbstverständlich Teil der Gesellschaft ist“, appellieren die Bischöfinnen. "Wenn Jüdinnen und Juden in Deutschland nicht mehr wagen, ihren Glauben öffentlich zu leben, wird jüdisches Leben in Deutschland wieder unsichtbar gemacht und unser Land und unsere Kultur werden ärmer.” Auch drei Jahre nach dem Hamas-Attentat wirkten das Entsetzen und die Trauer in Israel und bei Jüdinnen und Juden auf der ganzen Welt nach. Damals wurden 1.200 jüdische Menschen ermordet, zahlreiche verletzt sowie Hunderte als Geiseln verschleppt.
Gefühl der Unsicherheit verstärkt
In Deutschland habe sich für viele jüdische Menschen das Gefühl der Unsicherheit nochmals verstärkt, erklärten die Bischöfinnen. Diese erlebten massive Anfeindungen und Bedrohungen im Alltag, auf der Straße, an Schulen und Hochschulen, in Kultur und Öffentlichkeit und in den sozialen Medien. Allein in Hessen seien im vergangenen Jahr mehr als 1.000 antisemitische Vorfälle dokumentiert worden, dies seien sechsmal mehr als 2022. Immer wieder würden Synagogen, jüdische Einrichtungen und Erinnerungsorte beschädigt oder mit antisemitischen Parolen beschmiert.



