Bundeskongress zu Verschickungskindern geplant

Bundeskongress zu Verschickungskindern geplant
In den 50er bis in die 80er Jahre wurden Kinder in Heime und Heilstätten verschickt, um sich gesundheitlich zu erholen. Was sie dort erlebten, belastet viele bis heute. Bei einem Kongress auf Föhr geht es um Erfahrungen, Forschung und Aufarbeitung.

Wyk auf Föhr (epd). Betroffene, Forschende und Fachleute treffen sich vom 19. bis 22. November in Wyk auf Föhr zum 8. Bundesfachkongress „Das Elend der Verschickungskinder“. Als Verschickungskinder bezeichneten sich Menschen, die vor allem in den 50er bis 80er Jahren ohne Eltern für mehrere Wochen in Kindererholungsheime oder -heilstätten geschickt wurden, teilte der Verein „Aufarbeitung und Erforschung Kinderverschickung“ (AEKV) am Sonntag mit. Der Verein „Initiative Verschickungskinder“ lade gemeinsam mit dem AEKV zu dem Kongress ein.

Viele damals verschickte Menschen berichteten von Erfahrungen, die sie bis heute belasten, hieß es. Forschungen und Aktenfunde dokumentierten etwa rigide Disziplinierung, Zwang beim Essen, Toilettenverbote, Strafen und entwürdigende Behandlung. Im Mittelpunkt des Kongresses stünden die Erfahrungen ehemaliger Verschickungskinder, der aktuelle Stand der Forschung und die Frage, wie Aufarbeitung, Anerkennung und Erinnerung weitergeführt werden können.

Erinnerungs- und Gedenkstätte wird eröffnet

Der Kongress finde in Wyk statt, weil die nordfriesische Insel Föhr über Jahrzehnte ein bedeutender Ort der Kinderverschickung gewesen sei. Zahlreiche Kindererholungsheime und -heilstätten hätten sich dort befunden. Recherchen zufolge seien im Laufe von drei Jahrzehnten weit über 200.000 Kinder dorthin verschickt worden. Im Rahmen des Kongresses soll eine Erinnerungs- und Gedenkstätte für Verschickungskinder offiziell eröffnet werden.