Köln (epd). Mehr als 700 Moscheen in ganz Deutschland haben am Samstag ihre Türen für Besucherinnen und Besucher geöffnet. Am 30. Tag der offenen Moschee luden sie unter anderem zu Führungen, Gesprächen und Diskussionsrunden ein. Die Aktion solle ein Zeichen für Begegnung, gesellschaftlichen Zusammenhalt und gemeinsame Verantwortung setzen, erklärte der Koordinationsrat der Muslime in Köln.
Das diesjährige Motto „Moscheen als Träger gesellschaftlicher Verfasstheit“ solle die Bedeutung der Moscheen als gesellschaftliche Institutionen hervorheben, sagte der neue Sprecher des Koordinationsrats, Samir Bouaissa vom Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD). „Gerade die Wahlergebnisse in den östlichen Bundesländern führen uns vor Augen, wie wichtig es ist, als Gesellschaft zusammenzustehen und gemeinsam Verantwortung für unsere freiheitliche demokratische Ordnung und die sie tragenden Institutionen zu übernehmen.“
Orte des Glaubens und des Engagements
Die Moscheegemeinden wollten Verantwortung übernehmen und das gesellschaftliche Miteinander aktiv mitgestalten, betonte der stellvertretende ZMD-Vorsitzende. „Der 3. Oktober steht für die Einheit unseres Landes und zugleich für die Begegnung seiner Menschen. Moscheen gehören selbstverständlich zu unserer Gesellschaft.“ Sie seien Orte des Glaubens, der Nachbarschaft, des Engagements und des gesellschaftlichen Zusammenhalts.
„Gerade in herausfordernden Zeiten müssen wir mehr miteinander und weniger übereinander reden“, forderte Bouaissa. Er kündigte an, er wolle als Sprecher des Koordinationsrats auch über den Dachverband hinaus den Austausch zwischen den muslimischen Religionsgemeinschaften ausbauen. Zudem wolle er den Dialog mit der Politik, anderen Religionsgemeinschaften und der Zivilgesellschaft stärken.
Zusammenhalt braucht Begegnung
Die Kölner Ditib-Zentralmoschee zählte nach eigenen Angaben rund 5.000 Besucher. „Gesellschaftlicher Zusammenhalt braucht Begegnung“, sagte der Ditib-Bundesvorsitzende Ramazan Ilikkan. Er rief dazu auf, Vorurteile abzubauen und Verschiedenheit mit Achtung zu begegnen. Wenn Menschen wegen ihres Glaubens, ihrer Herkunft oder ihrer Zugehörigkeit angefeindet würden, sei die Solidarität der gesamten Gesellschaft gefragt.
Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) sagte den Angaben zufolge in einem Grußwort, die Moscheegemeinden seien mehr als Orte des Gebets. Sie übernähmen jeden Tag Verantwortung für die Stadtgesellschaft.
In Dortmund organisierte das Christlich-Islamische Dialogforum eine interreligiöse Stadtrundfahrt zu drei der mehr als 40 Moscheen. Das sei ein Zeichen für das friedliche Zusammenleben in einer vielfältigen Stadtgesellschaft, hieß es.
Aktionstag seit 30 Jahren am Tag der Deutschen Einheit
Der Tag der offenen Moschee wird seit 1997 jährlich am Tag der Deutschen Einheit begangen. Organisiert wird er seit 2007 größtenteils von den Verbänden, die im Koordinationsrat der Muslime zusammengeschlossen sind.
Mitglieder des Dachverbands mit Sitz in Köln sind neben dem Zentralrat der Muslime die eng mit der türkischen Religionsbehörde verbundene Türkisch-Islamische Union (Ditib) als größter Moscheeverband in Deutschland mit rund 900 Ortsgemeinden, der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland (IRD), die Union der Islamisch-Albanischen Zentren in Deutschland (UIAZD) und der Zentralrat der Marokkaner in Deutschland (ZRMD).



