Gutachter prüft tödliche Polizeischüsse im Fall Lorenz A.

Gutachter prüft tödliche Polizeischüsse im Fall Lorenz A.
Nach den tödlichen Polizeischüssen auf Lorenz A. soll ein Psychologe klären, ob der angeklagte Beamte die Situation als Notwehrlage verstehen konnte - oder seinen Irrtum hätte vermeiden können.

Oldenburg (epd). Im Fall des durch Polizeischüsse getöteten Lorenz A. hat das Landgericht Oldenburg einen psychologischen Gutachter bestellt. Er solle prüfen, ob der angeklagte Polizeibeamte aufgrund der Situation nachvollziehbar zu der Überzeugung kommen musste, dass er sich verteidigen müsse - oder ob er seinen Irrtum hätte vermeiden können, sagte ein Sprecher des Landgerichts am Freitag. Ein Termin für einen Prozess stehe noch nicht fest.

Lorenz A. starb am 20. April 2025 in der Oldenburger Innenstadt. Laut dem Obduktionsergebnis wurde er von drei Polizeikugeln in den Rücken getroffen. Im Zentrum der öffentlichen Debatten steht die Frage nach möglichem Rassismus bei der Polizei, weil der Getötete schwarz war.

Anklage gegen Polizisten zugelassen

Das Landgericht hatte bereits Mitte Juli die Anklage gegen den damals 27-jährigen Polizeibeamten zum Hauptverfahren zugelassen. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg wirft dem Mann vor, dass er die tödlichen Schüsse „rücklings fahrlässig unter Verkennung einer nicht mehr bestehenden Notwehrsituation auf den flüchtenden Lorenz A. abgegeben habe“. Zwar habe der Getötete mutmaßlich vorher Reizgas gegen den Angeklagten eingesetzt, jedoch kein Messer. Zum Zeitpunkt der Schüsse habe Lorenz A. lediglich fliehen wollen. Dies hätte der Angeklagte erkennen können.

Dem Gerichtsprecher zufolge geht die Verteidigung dagegen von einer Notwehrlage aus. Die Staatsanwaltschaft bewerte den Fall jedoch als eine sogenannte Putativnotwehr und geht also weiter von einer nur noch subjektiv vorliegenden Notwehrlage aus.

Gutachter von Hochschule NRW

Mit der Prüfung wurde Professor Mario Staller betraut. Staller arbeitet an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen in Gelsenkirchen. Dort forscht er unter anderem zu polizeilichem Einsatzhandeln, individuellen Gewalt- und Konflikthandeln sowie entsprechenden Ausbildungs- und Trainingsstrukturen bei der Polizei.