Wahlen in Brasilien: Lula wird von Bolsonaro-Sohn herausgefordert

Wahlen in Brasilien: Lula wird von Bolsonaro-Sohn herausgefordert
Sein Vater wurde wegen eines Putschversuchs zu mehreren Jahren Haft verurteilt - nun will Flávio Bolsonaro nächster Präsident Brasiliens werden. Bei der Wahl am Sonntag liefert er sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Amtsinhaber Lula.

Salvador da Bahia (epd). Bolsonaro-Sohn Flávio gegen den linken Amtsinhaber Luis Inácio Lula da Silva: Brasilien steht vor einer richtungsweisenden Wahl. Am Sonntag wählt die Bevölkerung des südamerikanischen Landes ein neues Staatsoberhaupt, zwei Drittel der Kongressmitglieder sowie die Gouverneure der 27 Bundesstaaten. Der amtierende Präsident Lula wird von Flávio Bolsonaro herausgefordert, Sohn des wegen eines Putschversuchs verurteilten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro.

Insgesamt sind 13 Kandidaten für das Präsidentenamt aufgestellt. Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage liegt Lula mit 45 Prozent der Stimmen knapp vor Flávio Bolsonaro, der auf einen Anteil von 40 Prozent kommt. Die restlichen Kandidaten bleiben im einstelligen Bereich. Erhält keiner der Kandidaten mehr als 50 Prozent der Stimmen, ist für den 25. Oktober eine Stichwahl angesetzt. 158 Millionen Brasilianerinnen und Brasilianer sind wahlberechtigt.

Bolsonaro beliebt bei Polizisten

Der 81 Jahre alte Lula absolviert zurzeit seine dritte Amtszeit. Er setzt auf den Kampf gegen soziale Ungleichheit und Armut. Bei einer Wiederwahl will er seine Sozialpolitik fortsetzen. Beliebt ist vor allem bei Menschen mit geringem Einkommen, Frauen sowie Bewohnerinnen und Bewohnern des Nordens und Nordostens von Brasilien.

Herausforderer Flávio Bolsonaro ist der älteste Sohn von Jair Bolsonaro. Der Ex-Präsident wurde als Drahtzieher des versuchten Putsches nach seiner Niederlage gegen Lula bei den Wahlen 2022 zu 27 Jahren Haft verurteilt. Flávio Bolsonaro steht für die ultrarechte Linie seines Vaters und verspricht ein hartes Vorgehen gegen organisierte Kriminalität. Gegen ihn wird wegen Korruption und Geldwäsche ermittelt. Beliebt ist der 45-jährige Senator vor allem bei Polizisten sowie Angehörigen von Pfingstkirchen, einer wichtigen Wählergruppe in Brasilien.

Der Wahlkampf wurde stark überschattet von einer Justizkrise am Obersten Gerichtshof. Mehrere Richter sind unter Korruptionsverdacht geraten.