Jüdischer Publizist Czollek hat mehr Angst vor AfD als vor der Linken

Jüdischer Publizist Czollek hat mehr Angst vor AfD als vor der Linken
Max Czollek wendet sich gegen eine Verengung der Antisemitismus-Debatte auf die politische Linke. Der jüdische Publizist fühlt sich durch die AfD "fundamental stärker bedroht als durch die Linke".

Frankfurt a.M. (epd). Der jüdische Publizist Max Czollek warnt vor einer Verengung der Debatte über Antisemitismus auf die politische Linke. Die Diskussion über linken Antisemitismus seit dem Wahlerfolg der Linken in Berlin sei „völlig außer Proportion“, sagte Czollek dem Magazin „Publik-Forum“ (Freitag). Antisemitische Einstellungen seien nach vorliegenden Statistiken im rechten politischen Spektrum stärker verbreitet.

In der AfD-Wählerschaft gebe es besonders hohe Zustimmungswerte zu antisemitischen Aussagen. Zugleich betonte Czollek, dass es in allen politischen Lagern Antisemitismus gebe.

„AfD-Regierung verändert den Staat“

Angesichts seiner jüdischen Biografie fühlt sich Czollek heute aber „fundamental stärker durch die AfD bedroht als durch die Linke“. Sein Bedrohungsgefühl steige mit den Umfragewerten der AfD. Er habe Angst vor dem zunehmend realen Szenario, dass die Partei in einem Bundesland regiert: „Denn dann verändert sich der Staat. Da geht es nicht nur darum, dass ich auf der Straße angepöbelt werde“, sagte der in Berlin lebende Publizist. Die Vorstellung, jüdisches Leben in Deutschland sei erst durch eine stärkere Linke oder Antisemitismus in der muslimischen Bevölkerung unsicher geworden, bezeichnete er als „Unsinn“.

Dass die Linke bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September mit 25,7 Prozent stärkste Kraft geworden ist, habe ihn gefreut. Die Linke habe für ihn „eine überzeugende Idee dafür vorgeschlagen, wie es mit Berlin sozialpolitisch weitergehen kann.“