Berlin (epd). Finanzielle Sorgen treiben eine deutliche Mehrheit der Menschen in Deutschland um. 59 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Studie „Die Ängste der Deutschen“, deren Ergebnisse am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurden, befürchten demnach, dass das Geld dauerhaft nicht mehr zum Leben reicht.
Hinter den finanziellen Sorgen folgen demnach Ängste vor Steuererhöhungen (53 Prozent), vor einer Überforderung des Staates durch Geflüchtete (52 Prozent), vor einer schlechteren Wirtschaftslage (51 Prozent) und vor teurem Wohnen (50 Prozent). Auftraggeberin der Studie ist die R+V Versicherung. Zu den 25 jährlich abgefragten Themen hätten im Durchschnitt 38 Prozent der Befragten eine große Angst geäußert, hieß es weiter.
„Angstniveau“ insgesamt „erstaunlich gering“
Dabei sei das „Angstniveau“ alles in allem „erstaunlich gering“, hieß es weiter: Es liege nur zwei Prozentpunkte über dem Tiefstwert von 2021 (36 Prozent) und einen Prozentpunkt über dem Vorjahr (37 Prozent). Zum Vergleich: Seinen Spitzenwert habe das Niveau mit 52 Prozent im Jahr 2016 erreicht.
Gerade die Angst vor einer schlechteren Wirtschaftslage sei allerdings sprunghaft angestiegen. Lag sie im Vorjahr mit 41 Prozent noch auf Platz zehn, so belege sie in diesem Jahr mit 51 Prozent den vierten Platz. Diese Veränderung sei eine Art Frühwarnsystem, erklärte die Marburger Politikwissenschaftlerin Isabelle Borucki, die als Beraterin an der Studie mitwirkte: „Der Anstieg dieser Angst markiert einen kollektiven Vertrauensverlust in die wirtschaftliche Zukunft des Landes.“
Abgenommen habe hingegen die Sorge vor der Klimakrise und ihren Auswirkungen, beispielsweise Naturkatastrophen. 30 Prozent der Befragten hätten Angst vor der Erderhitzung (Platz 20), 7 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Geringer falle die Furcht vor Naturkatastrophen aus, diese spürten nur 27 Prozent der Menschen (Platz 21), 2025 seien es noch 36 Prozent gewesen. „Angesichts der scheinbar unaufhaltsamen Veränderungen wird das Gefühl der Angst offenbar durch Resignation überlagert“, erklärte Borucki.
Gewöhnungseffekt bei weltpolitischen Sorgen
Im Vergleich zwischen den Altersgruppen liege die Sorge vor steigenden Lebenshaltungskosten bei allen Befragten ab 20 Jahren auf dem ersten Platz. Zwischen 14 und 19 Jahren dominiere die Angst vor einer Überforderung des Staates durch Geflüchtete.
Die Weltpolitik spiele über alle Altersgruppen hinweg nur eine untergeordnete Rolle. „Nach Jahren permanenter geopolitischer Alarmmeldungen tritt hier ein Gewöhnungseffekt ein“, folgerte Borucki.
Vertrauensverlust in Politik
48 Prozent der Befragten fürchten laut Umfrage, dass die Politik mit ihren Aufgaben überfordert ist. Im Vorjahr lag der Wert noch bei 42 Prozent. Dies zeige einen „deutlichen Vertrauensverlust“. Auch die Sorgen rund um Themen der Migration stiegen demnach an. Mit 52 Prozent liege die Angst vor einer staatlichen Überforderung durch Geflüchtete auf dem dritten Platz. Auf Platz sieben landete die Angst, dass weiterer Zuzug aus dem Ausland zu Spannungen führe (47 Prozent).
Die repräsentative Umfrage findet den Angaben zufolge jährlich seit 1992 statt. Rund 2.400 Menschen ab 14 Jahren werden in persönlichen Interviews nach ihren Sorgen rund um Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Umwelt und Gesundheit befragt.




