Bischof Wilmer: Spalterischen Parolen nicht nachlaufen

Bischof Wilmer: Spalterischen Parolen nicht nachlaufen
In Fulda beenden die katholischen Bischöfe die traditionelle Herbst-Vollversammlung. Der Vorsitzende Wilmer ruft zu mehr gesellschaftlicher Solidarität und Zusammenhalt angesichts des politischen Rechtsrucks auf.
01.10.2026
epd
Von Franziska Hein (epd)

Fulda (epd). Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, hat sich beunruhigt geäußert über den Zulauf der AfD bei den zurückliegenden Landtagswahlen. „Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel, wenn die AfD Regierungsverantwortung übernimmt“, sagte Wilmer am Donnerstag in Fulda zum Abschluss der Herbst-Vollversammlung. Die Partei widerspreche in wesentlichen Teilen ihrer Programmatik, Rhetorik und politischer Ausrichtung diametral dem christlichen Gottes- und Menschenbild.

„Die AfD stellt die Grundwerte unseres Zusammenlebens infrage. Sie will ein anderes Deutschland“, sagte der Bischof von Münster. Es sei daher erschreckend, wenn 30 Prozent der Katholikinnen und Katholiken im Osten die AfD wählen, die in Sachsen-Anhalt vom Landesverfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft werde.

Die AfD war bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt jeweils stärkste Kraft geworden. In Mecklenburg-Vorpommern erreichte die AfD 38,2 Prozent der Stimmen, in Sachsen-Anhalt erzielte sie mit 43,8 Prozent ihr bestes Ergebnis und könnte dort Regierungspartei werden. In Berlin gewann die Linke die Wahlen zum Abgeordnetenhaus mit 25,7 Prozent.

Menschenwürde und Nächstenliebe als Antwort

Die Antwort der Kirche auf den Rechtsruck sei der Verweis auf Menschenwürde, Nächstenliebe und demokratische Kultur. Die Würde des jedes Menschen bestehe unabhängig von Alter, Herkunft, sozialer Schicht und Geschlecht. Um die zentrifugalen Kräfte in der Gesellschaft zu stoppen, brauche es eine neue Dynamik für mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt. Man müsse gesellschaftlich nicht in der Mehrheit sein, um daran zu erinnern, was wichtig sei.

„Wir dürfen den spalterischen Parolen nicht nachlaufen“, sagte Wilmer. „Wir werden uns auch weiterhin zu Wort melden, gerade wenn Hass und Hetze zunehmen und das Narrativ einer defekten Demokratie weiter verbreitet wird.“ Politik dürfe sich nicht von extremen politischen Rändern bestimmen lassen. Dazu brauche es eine handlungsfähige demokratische politische Mitte. Die AfD ziele auf ein Zerreißen dieser politischen Mitte. Die Kirche wolle Menschen stärken, die die Gesellschaft stützen.

Solidarität mit Bistümern im Osten

Wilmer erklärte, die Bischofskonferenz stelle sich solidarisch hinter das Bistum Magdeburg mit Bischof Gerhard Feige an der Spitze. Für den Fall einer Regierungsübernahme der AfD in Sachsen-Anhalt habe man bereits Pläne, um betroffene Bistümer finanziell zu stützen, wenn die Finanzierungsgrundlage bedroht sei. Die Generalsekretärin der Bischofskonferenz, Beate Gilles, verwies auf gefährdete Zuschüsse der Landesregierung in Bildungs- und Sozialeinrichtungen. Wenn Zuschüsse gestrichen würden, seien vulnerable Menschen direkt betroffen.

Auch mit Personalwahlen beschäftigten sich die Bischöfe auf ihrer Vollversammlung. Der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx wird Beauftragter für Kultur, der Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki wird Nahost-Beauftragter und der Trierer Bischof Stephan Ackermann soll neuer katholischer Flüchtlingsbischof werden.

Die Deutsche Bischofskonferenz ist der Zusammenschluss der 27 deutschen Diözesen. Zur Vollversammlung, dem obersten Gremium der Bischofskonferenz, treffen sich alle Orts- und Weihbischöfe in Deutschland zweimal im Jahr.