München, Berlin (epd). Ab dem 1. Januar 2027 kostet das Deutschlandticket 66,80 Euro und damit 3,80 Euro mehr als bislang. Das beschloss die Verkehrsministerkonferenz (VMK) am Mittwoch in Berlin. Aktuell kostet das bundesweit gültige Regional- und Nahverkehrsticket 63 Euro, prozentual verteuert sich das Ticket ab nächstem Jahr um gut sechs Prozent. Laut Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) ist das Deutschlandticket dennoch „weiterhin ein sehr attraktives Angebot“, das den Menschen in Deutschland „hochwertige und klimafreundliche Mobilität im öffentlichen Personenverkehr ermöglicht“.
Zum Jahreswechsel werden auch die Preise für das Deutschlandticket als Jobticket mit 63,46 Euro und als Semesterticket mit 40,08 Euro neu festgelegt. Die Preisanpassung entspreche dem im März von der VMK beschlossenen Preisindex, heißt es in einer Mitteilung des bayerischen Verkehrsministeriums von Minister Christian Bernreiter (CSU), das noch bis Ende des Jahres den Vorsitz der Konferenz innehat. Als Grundlage für den Index dienten die Kosten für Personal, Energie und allgemeine Ausgaben. Entwickelt wurde der Index den Angaben zufolge gemeinsam mit Verbänden der Verkehrsunternehmen und Aufgabenträger. Von nun an soll er jährlich zur Feststellung des Preises des Deutschlandtickets herangezogen werden, hieß es weiter.
NRW-Verkehrsminister: „Schade für den Erfolg des revolutionären Tickets“
Der nordrhein-westfälische Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) kritisierte in der „Rheinischen Post“ (Donnerstag), die Bundesregierung habe im Koalitionsvertrag Preisstabilität für das Deutschlandticket versprochen. Die Preiserhöhung sei „schade für den Erfolg dieses revolutionären Tickets und geht auf Kosten der Fahrgäste“. Um den Preis auf lange Sicht stabil zu halten, müsse die Anzahl an Nutzenden des Deutschlandtickets steigen.
Kritik an dem Beschluss kam auch von der Verbraucherzentrale. Die jährlichen Preissteigerungen dürften nicht dazu führen, dass immer mehr Menschen aus Kostengründen auf das Deutschlandticket verzichten müssten, sagte Bundesvorständin Ramona Pop. Sie forderte daher die Einführung eines bundesweit einheitlichen Nahverkehrstarifs, mit dem der ÖPNV auch für Menschen, die nur gelegentlich Bus und Bahn nutzen, einfacher und attraktiver würde. Der neue Preisindex beende zwar das wiederkehrende politische Ringen um den Preis des Deutschlandtickets. Es drohe jedoch eine „automatisierte Preisspirale, an deren Ende für viele das Deutschlandticket kein attraktives Angebot mehr darstellt“, bemängelte Pop.
Kritik: Falsche Prioritätensetzung bei Subventionierungen
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisierte, beim Deutschlandticket hätten Bund und Länder ihre Zuschüsse bis 2030 eingefroren, für die Subventionierung von Benzin und Diesel stünden hingegen „innerhalb kürzester Zeit Milliarden bereit“. Sie forderte in einer Mitteilung als kurzfristige Entlastung ein Deutschlandticket für 29 Euro für zwölf Monate und anschließend einen dauerhaft stabilen Preis von maximal 49 Euro. „Öffentlicher Nahverkehr ist gesellschaftliche Teilhabe, doch Bund und Länder machen ihn zum Verkehrsmittel zweiter Klasse“, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Millionen Menschen ohne Auto, die auf einen bezahlbaren und zuverlässigen öffentlichen Nahverkehr angewiesen seien, würden mit solchen Entscheidungen im Stich gelassen.
Auch die Umweltorganisation Greenpeace zeigte sich besorgt. Bei der Preiserhöhung handele es sich - mit einer Gesamt-Teuerung um 37 Prozent seit 2023 - um die höchste eines solchen Tickets in Europa. Kein anderes Land habe seine Bus- und Bahnabos in diesem Zeitraum so stark angehoben. Dies stoße knapp 15 Millionen Abonnentinnen und Abonnenten vor den Kopf. Außerdem sei es kurzsichtig, ein Ticket immer weiter zu verteuern, das den Verbrauch von Öl senke und damit Deutschlands Unabhängigkeit und den Klimaschutz stärke, hob der Umweltverband hervor.




