Katholische Kirche dringt auf internationale Regulierung von KI

Katholische Kirche dringt auf internationale Regulierung von KI
Noch bis Donnerstag beraten die katholischen Bischöfe in Fulda. Schwerpunktthema ist der Umgang mit KI, der auch die Kirche verändern wird. Die Bischofskonferenz fordert internationale Regulierung für generative Künstliche Intelligenz.
30.09.2026
epd
Von Franziska Hein (epd)

Fulda (epd). Die katholische Kirche in Deutschland schließt sich Forderungen nach einer internationalen Regulierung von generativer Künstlicher Intelligenz (KI) an. „Wir brauchen Standards auf internationaler Ebene, die sich an den allgemeinen Menschenrechten orientieren“, sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, am Mittwoch in Fulda während der Herbst-Vollversammlung der Bischöfe. KI werde die Menschheit stärker verändern als die industrielle Revolution im 19. Jahrhundert.

Der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx sagte, die katholische Kirche wolle in der aktuellen Debatte auch ihren Beitrag leisten. Das gehe am besten, indem man auf der Weltebene die Demokratie, die Menschenrechte und den Multilateralismus verteidige. Mit den Vereinten Nationen und der Europäischen Union gebe es Institutionen, die Regeln setzen könnten.

Regeln für KI beschließen

Es müsse gelingen, Regeln für Entwicklung und Nutzung Künstlicher Intelligenz zu beschließen, um der Machtkonzentration der Tech-Konzerne in den USA etwas entgegenzusetzen, erklärte Marx weiter. Das gelte auch, wenn sich nicht alle daran halten wollten.

Am Mittwoch sprachen die 60 in Fulda versammelten Bischöfe über die ethischen Herausforderungen der KI und reflektierten über die Enzyklika von Papst Leo XIV. „Magnifica Humanitas“ (Großartige Menschheit). Ende Mai, an Pfingstmontag, hatte Papst Leo XIV. sein erstes umfassendes Lehrschreiben zum Thema Künstliche Intelligenz veröffentlicht, das er als zentrale soziale Frage der Gegenwart ansieht.

Kein „apokalyptischer Brandbeschleuniger“

Der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz betonte, die Kirche dürfe nicht nur mahnen, sondern müsse auch die Chancen von KI sehen. KI sei nicht der „apokalyptische Brandbeschleuniger“ zum Weltende. „KI ist aber auch nicht der messianische Hoffnungsträger, der alle Probleme lösen kann“, sagte er.

Papst Leo XIV. sieht in der Nutzung von KI ein wertvolles Hilfsmittel für die Menschheit. Dem schloss sich die Bischofskonferenz an. KI könne Krankheiten früher erkennen, Bildungszugänge erweitern oder schwere Arbeit erleichtern sagte Wilmer. Sie sei aber niemals neutral. „In ihr stecken Interessen, wirtschaftliche Macht, politische Entscheidungen und die Vorurteile derjenigen, die sie entwickeln, finanzieren und einsetzen“, sagte der Bischof von Münster.

Digitale Technologie ist nicht immateriell

Deshalb genüge es nicht, technische Innovation zu feiern. „Entscheidend ist die Frage: Dient die Künstliche Intelligenz dem Menschen - oder wird der Mensch der KI angepasst?“ Wilmer forderte: „Menschen müssen Entscheidungen nachvollziehen, anfechten und korrigieren können.“

Bentz wies zudem auf den hohen Ressourcenverbrauch bei der Entwicklung und Nutzung von KI-Systemen hin. Digitale Technologien seien keinesfalls immateriell. Dahinter stünden Rohstoffe, Energie und auch Arbeitskraft, die oft unsichtbar bleibe und Ausbeutung begünstige.

„Gott wurde nicht Intelligenz“

Auch theologisch und glaubenspraktisch beschäftigt die Kirche sich mit KI. Wilmer sagte: „Gott wurde nicht Intelligenz, sondern Gott wurde Körper.“ Die Frage, was den Menschen zum Menschen mache und ihn von einer Künstlichen Intelligenz auch in Zukunft abgrenze, sei seine Körperlichkeit und die Fähigkeit zu echter Empathie. „Der zentrale Ort, der den Mensch zum Menschen macht, ist nicht der Kopf, sondern das Herz“, betonte er.

Der Münchner Erzbischof Marx sagte, Künstliche Intelligenz könne bis zu einer gewissen Grenze auch als Medium für den Glauben fungieren. Doch die Sorge für die Menschen, Trost spenden und Zuhören könne nicht ersetzt werden. „Sakramentales Geschehen geht nur von Mensch zu Mensch.“