Katholische Kirche gegen Zulassung altruistischer Leihmutterschaft

Katholische Kirche gegen Zulassung altruistischer Leihmutterschaft
Im Sommer hatte die Elternschaft des CDU-Politikers Spahn per Leihmutter in den USA in Deutschland eine Debatte ausgelöst. Die katholische Kirche hat dazu eine klare Position.
29.09.2026
epd
Von Franziska Hein (epd)

Fulda (epd). Die katholische Kirche lehnt eine gesetzliche Liberalisierung der Leihmutterschaft in Deutschland aus ethischen Gründen ab. Im Zentrum stehe die Menschenwürde des Kindes und der beteiligten Frauen, sagte der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck am Dienstag in Fulda bei der Herbst-Vollversammlung der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Bei einer Leihmutterschaftsvereinbarung werde das Kind zum Objekt eines Vertrages unter Erwachsenen gemacht.

Es bestehe zudem die „ernste Gefahr“, dass das Kind als Projekt der Erwachsenen oder, je nach seinem Gesundheitszustand, sogar als Schadensfall betrachtet werde, sagte der neue Vorsitzende der katholischen Kommission Glaube und Wissenschaft.

Gefahr von Ausbeutung

Mit Blick auf die beteiligten Frauen verwies Overbeck vor allem auf die ökonomisch ungleichen Ausgangssituationen. „Die Gefahr von ausbeuterischen Rahmenbedingungen ist vertraglich kaum auszuschalten“, sagte er. Hier sei die Verdinglichung und Entpersonalisierung geradezu mit Händen greifbar. Bei Leihmutterschaften im Ausland gebe es zudem oft entwürdigende und geradezu unmoralische Vertragsbedingungen in Leihmutterschaftsverträgen.

Aus diesen Gründen sei eine Zulassung der Leihmutterschaft bei allem Verständnis für die Lebenssituationen von Paaren auch in Deutschland eindeutig abzulehnen, sagte Overbeck. Auch eine nicht-kommerzielle, sogenannte altruistische Leihmutterschaft lehnt die katholische Kirche ab. „Schöpfungstheologisch ergibt sich das für uns als abrahamitische Religion aus dem Argument der Würde des Menschen, die von Gott kommt und für alle gilt“, sagte der Bischof.

Die Elternschaft des CDU-Politikers Jens Spahn per Leihmutter in den USA hatte im Juli eine Diskussion über Schritte zu einer Liberalisierung ausgelöst. Ethiker und Rechtswissenschaftler sehen Möglichkeiten für eine gesetzliche Verankerung der nicht-kommerziellen Leihmutterschaft in Deutschland, warnen aber zugleich vor einer Ausbeutung von Frauen.

Medizinisches Verfahren ethisch bedenklich

Das Argument, man könne in Deutschland strenge gesetzliche Rahmenbedingungen für Leihmutterschaften etablieren, überzeuge ihn nicht, sagte Overbeck. Regelungen, die eine starke Stellung und hohe Entlohnung der Leihmutter garantieren, könnten auch zukünftig zu einer Ausweichtendenz ins Ausland führen.

Nicht zuletzt spielten auch ethische Aspekte der Fortpflanzungsmedizin eine kritische Rolle. Die Leihmutterschaft sei aus Sicht der Kirche medizinisch mit Verfahren verbunden, die ethisch hoch bedenklich seien: insbesondere die Gefahr eines selektiven Umgangs mit menschlichen Embryonen.

Overbeck bekräftigte das Engagement der Kirche für den Lebensschutz, gerade für vulnerable Menschen. Aber, so räumte er ein: Man tue das unter den gegebenen gesellschaftlichen Umständen einer postsäkularen Welt. In einer multipolaren Wirklichkeit sei die Stimme der katholischen Kirche eine von vielen. Diese werde zwar sehr wohl wahrgenommen, aber auch immer sofort relativiert. „Das betrifft jedoch nicht die eigenen Überzeugungen“, sagte der Bischof.