Passauer Theologen untersuchen KI-Gebets-App "Hallow"

Passauer Theologen untersuchen KI-Gebets-App "Hallow"
Millionen Menschen nutzen die Gebets-App "Hallow". In Passau untersuchen Theologen nun, was passiert, wenn Gebete, Glaubensfragen und Künstliche Intelligenz zusammenkommen.

Passau (epd). Ein neues Forschungsprojekt der Universität Passau untersucht die weltweit millionenfach genutzte Gebets-App „Hallow“. Ziel ist herauszufinden, wie die digitale Vermittlung von Glaubensinhalten und Künstliche Intelligenz die religiöse Praxis und das Verständnis des katholischen Glaubens verändern. Das Projekt startet im Oktober, wie die Universität am Dienstag mitteilte.

Im Mittelpunkt des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit rund 515.000 Euro geförderten Projekts steht neben der App das integrierte KI-Modul „Magisterium AI“. Dieses beantwortet Fragen zum katholischen Glauben und soll nach Angaben der Entwickler die Lehre der katholischen Kirche wiedergeben.

Wenn die KI das Lehramt simuliert

„Die App hat den Anspruch, zu 100 Prozent der Lehre der katholischen Kirche zu entsprechen“, sagt der Passauer Theologe Markus Weißer. Ob dieser Anspruch tatsächlich erfüllt werde, sei eine zentrale dogmatische Forschungsfrage. Sein Team will unter anderem untersuchen, wie KI-basierte Glaubenskommunikation mit kirchlicher Lehrautorität zusammenwirkt und welche theologischen Akzentverschiebungen dadurch entstehen können.

Auch die Gestaltung religiöser Praxis durch die App nehmen die Forschenden in den Blick. „Hallow“ arbeitet unter anderem mit täglichen Gebetszielen, Routinen und sogenannten Streaks, die eine regelmäßige Nutzung fördern sollen. Dadurch werde religiöse Praxis digital messbar, sagt Weißer. Dies könne Vorstellungen von Selbstoptimierung und Leistungsorientierung in das persönliche Gebetsleben integrieren.

Spiritualität als Geschäftsmodell

Zudem geht das Projekt der Frage nach, welche Auswirkungen die kommerzielle Ausrichtung der App auf Spiritualität und pastorale Begleitung hat. Eine abschließende dogmatische Bewertung dieser Aspekte liege bislang nicht vor.

„Hallow“ bezeichnet sich selbst als „Nummer 1 Gebets-App der Welt“ und gibt an, weltweit mehrere Millionen Menschen zu erreichen. Mediale Aufmerksamkeit erhielt die App auch wegen ihrer Kapitalgeber, zu denen der Tech-Unternehmer Peter Thiel und der US-Vizepräsident J.D. Vance zählen.