Ministerin Prien: Juden dürfen sich nicht als Opfer verstehen

Ministerin Prien: Juden dürfen sich nicht als Opfer verstehen
Juden und Jüdinnen in Deutschland erleben immer wieder Anfeindungen. Auf einem Demokratieforum in Leipzig wurde über jüdisches Leben und Antisemitismus diskutiert.

Leipzig (epd). Nach Ansicht von Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) muss Bildungsarbeit zu jüdischem Leben viel stärker in die deutschen Regelsysteme integriert werden. Dabei müssten auch der Nahost-Konflikt und die Rolle Israels in Schulen sowie in der Kinder- und Jugendarbeit diskutiert werden, sagte Prien am Dienstag bei einem Demokratieforum in Leipzig. Rund 200 Fachleute trafen sich im Leipziger Ariowitsch-Haus zur Jahreskonferenz des Demokratiezentrums Sachsen.

Prien betonte: „Ich möchte nicht, das Jüdinnen und Juden sich als Opfer von Verfolgung verstehen, jüdisches Leben muss selbstbewusst und selbstverständlich sein.“ Zugleich gab sie zu bedenken: „Wir müssen uns ehrlich machen: Selbstverständliches jüdisches Leben hat es nach 1945 in Deutschland nicht gegeben.“

Unsicherheit im Alltag

Das Grundgesetz sei zwar der Gegenentwurf zu Antisemitismus. Doch es gebe nach wie vor Anfeindungen gegen die jüdische Community, jüdisches Leben sei eben nicht selbstverständlich. Vielmehr würden Menschen stigmatisiert und in ihren Grundrechten eingeschränkt.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) sagte: „Die Lebensrealität der jüdischen Communitys ist von großer Unsicherheit geprägt.“ Es gebe offene antijüdische Aggressionen. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sagte in einer Grußbotschaft per Video, es gelte, jeden Tag aufs Neue für die Demokratie zu kämpfen. „Wichtig ist, dass wir uns nicht spalten, dass wir den offenen Weg nach vorn gehen und versuchen, den Konsens zu bilden“, betonte der CDU-Politiker.