Metz (epd). Papst Leo XIV. hat Europa zum Festhalten an Völkerrecht, Dialog und Multilateralismus aufgerufen. Zum Abschluss seiner viertägigen Frankreichreise warnte er am Montag in Metz vor einer zunehmenden Verrohung. „Heutzutage werden die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Beziehungen zwischen den Staaten immer barbarischer“, sagte er bei einem Treffen mit dem Titel „An den Wurzeln Europas für Frieden und Einheit“.
Das gegebene Wort werde missachtet, stattdessen rühme man sich der Lüge und Täuschung, sagte Leo XIV. vor Politikern und Kirchenvertretern. Mit ihm auf der Bühne waren Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Kardinal Jean-Marc Aveline, der Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz. Europa könne dieser „Abwärtsspirale“ ein Ende setzen, sagte der Papst, „dank der Achtung vor dem anderen, die zu pflegen und zu bewahren es verstanden hat“.
Heimat von Robert Schuman
Für seine Europarede hatte Leo XIV. bewusst das lothringische Metz gewählt. Die Stadt an der Mosel war die Heimat Robert Schumans, einem der Gründerväter der europäischen Einigung. Europa nach der Idee Schumans beruhe auf der Achtung des Völkerrechts und sei ein Kontinent, auf dem man den Dialog der bewaffneten Auseinandersetzung vorziehe, sagte der Papst. Für Schuman läuft in der katholischen Kirche ein Seligsprechungsverfahren.
Das heutige Europa stehe vor einer „neuen Etappe seiner langen Geschichte der Begegnungen“, sagte das Oberhaupt von weltweit mehr als einer Milliarde Katholiken mit Blick auf die Zunahme von Migration in den vergangenen Jahren. Viele Männer und Frauen kämen auf den Kontinent, „die vor Kriegsschauplätzen und Verfolgung fliehen oder auf der Suche nach einem besseren Leben fernab von Armut und Elend sind.“
Leo XIV. sprach von einer „historischen Tragweite“ dessen, war gerade geschehe. „Nämlich eine beispiellose Begegnung zwischen Völkern und Kulturen, die zur kreativen Wiederentdeckung unserer Wurzeln und zugleich zum aufmerksamen Hören auf den Anderen aufruft.“ Bei einem interreligiösen Treffen, das vor seiner Europarede ebenfalls im Robert-Schuman-Kongresszentrum stattfand, rief Leo Vertreter verschiedener Religionen dazu auf, zu einer „Entwaffnung der Worte und Herzen“ beizutragen. Der Dialog zwischen den Religionen könne helfen, Konflikte zu überwinden und Frieden zu fördern.
800.000 Menschen bei Papstmesse in Paris
Die Europarede vom Montagmittag war der politische Höhepunkt der Frankreichreise des Papstes. Leo XIV. war am Freitag in Paris eingetroffen. Dort traf er unter anderem Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und besuchte die Unesco. Außerdem betete er in der wiedereröffneten Kathedrale Notre-Dame und kam im Stade de France mit etwa 80.000 Jugendlichen zusammen.
Bevor er nach Lourdes weiterreiste, feierte der Papst am Samstagnachmittag auf der Place de la Concorde in Paris eine Heilige Messe. Rund 800.000 Menschen kamen, um Leo zu sehen und jubelten ihm frenetisch zu, als er mit dem Papamobil die Avenue des Champs-Élysée abfuhr.
Wilmer beeindruckt von Resonanz
Nicht nur die französischen Kleriker, auch der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, zeigte sich beeindruckt von dieser Resonanz. Frankreich sei inzwischen „das Labor des neu erwachenden Katholizismus“, sagte Wilmer am Montag zu Beginn der Herbst-Vollversammlung der deutschen katholischen Bischöfe in Fulda. In Frankreich prägten etwa junge Influencer in den sozialen Medien das Bild, das insbesondere jüngere Menschen von der katholischen Kirche hätten. Dies sei deutlich stärker als in Deutschland der Fall.
An die jungen Menschen richtete der Papst am Montag dann auch die Schlussworte seiner Europarede. Sie seien dazu berufen, „das Europa von heute und morgen zu gestalten.“ Er wolle ihnen sagen: „Habt den Mut, die Mission des Friedensstiftens verantwortungsbewusst zu erfüllen.“




