Fulda (epd). Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, hat sich nach den vergangenen Landtagswahlen besorgt um das gesellschaftliche Klima in Deutschland gezeigt. „Wir erleben einen Rechtsruck in Deutschland, auch in ganz Europa“, sagte er am Montag in Fulda zum Beginn der Herbst-Vollversammlung der deutschen Bischöfe. „Das Schlechtreden des Landes stimmt mich kritisch. Unser Land ist besser, als es geredet wird“, sagte der Bischof von Münster.
Noch bis Donnerstag beraten 60 Bischöfe und Weihbischöfe in Fulda. Auf der Tagesordnung stehen viele ethische Themen wie Leihmutterschaft, Organspende und die Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz. Dazu wollen die Bischöfe am Mittwoch einen Studientag zur ersten Lehrschrift von Papst Leo XIV. „Magnifica Humanitas“ (Deutsch: Großartige Menschheit) einlegen, in der das Kirchenoberhaupt vor den Gefahren von KI warnt.
Antisemitismus ist Sünde
Die zurückliegenden Landtagswahlen seien ein klarer Warnhinweis in Bezug auf Populismus von rechts und von links, sagte Wilmer weiter und warnte auch vor wachsendem Antisemitismus in Deutschland. „Antisemitismus ist eine Sünde“, sagte er. Hass und Diskriminierung jüdischer Menschen seien ein Angriff auf die ganze Gesellschaft, Antisemitismus untergrabe die Demokratie. Zudem betonte Wilmer, völkischer Nationalismus und Christentum seien unvereinbar. Dazu hatten die katholischen Bischöfe 2024 eine Erklärung verabschiedet, die nach wie vor gültig ist.
Die AfD war bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt jeweils stärkste Kraft geworden. In Mecklenburg-Vorpommern erreichte die AfD 38,2 Prozent der Stimmen, in Sachsen-Anhalt erzielte sie mit 43,8 Prozent ihr bestes Ergebnis und steht dort kurz vor der Regierungsübernahme. In Berlin gewann die Linke die Wahlen zum Abgeordnetenhaus mit 25,7 Prozent.
AfD-Wählern zuhören
Zum Umgang mit der AfD sagte Wilmer, es brauche auch kirchlicherseits mehr Formate, in denen man sich mit AfD-Wählerinnen und -Wählern austausche. „Wir müssen den Menschen zuhören, die AfD wählen“, sagte er. Ihm sei bewusst, dass auch viele Katholikinnen und Katholiken die AfD gewählt hätten. Daher brauche es Räume und Formate, in denen die Kirche „keine Ansagen“ mache, sondern offen sei für Fragen und Nöte der Menschen - und für das, was Menschen in der Gesellschaft wahrnähmen, was sie dazu bringe, die AfD zu wählen.
Wilmer ist seit Februar Vorsitzender der Bischofskonferenz. Es ist seine erste Herbst-Vollversammlung im Amt. Am Ablauf der Sitzungen wird sich laut Wilmer auch etwas ändern: Er will die Vollversammlung zwar leiten, aber nicht selbst moderieren. Er habe gute Erfahrungen damit gemacht, die Moderation abzugeben. „Ich will mich stärker auf den Inhalt konzentrieren“, sagte der 65-Jährige. Dabei fühle er sich innerlich deutlich entspannter.
Die Deutsche Bischofskonferenz ist der Zusammenschluss der 27 deutschen Diözesen. Zur Vollversammlung, dem obersten Gremium der Bischofskonferenz, treffen sich alle katholischen Orts- und Weihbischöfe in Deutschland zweimal im Jahr.




