Papst Leo: Völkerrecht und Multilateralismus nicht gering schätzen

Papst Leo: Völkerrecht und Multilateralismus nicht gering schätzen
Papst Leo XIV. hält in der ostfranzösischen Stadt Metz eine Rede über die Europäische Union. Angesichts der Konflikte zwischen Staaten sei Europa ein Projekt für Frieden und gemeinsame Werte.

Metz (epd). Papst Leo XIV. hat davor gewarnt, die Werte des Völkerrechts und des Multilateralismus gering zu schätzen. „Heutzutage werden die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Beziehungen zwischen den Staaten immer barbarischer“, sagte das katholische Kirchenoberhaupt während seines Frankreich-Besuchs am Montag in Metz, wo er im Robert-Schuman-Kongresszentrum sprach. „Das gegebene Wort wird missachtet; stattdessen rühmt man sich der Lüge und der Täuschung“, sagte er weiter.

Zu der Rede unter dem Titel „An den Wurzeln Europas für Frieden und Einheit“ waren Bischöfe sowie Staats- und Regierungschefs eingeladen. Begrüßt wurde der Papst vom französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron. Der Papst lobte in der Rede die Europäische Union als positives Beispiel der friedlichen Kooperation. Denn Europa könne der „Abwärtsspirale“ ein Ende setzen, „dank der Achtung vor dem anderen, die zu pflegen und zu bewahren es verstanden hat.“

„Neue Etappe“ für Europa

Das heutige Europa stehe vor einer „neuen Etappe seiner langen Geschichte der Begegnungen“, sagte der Papst in Bezug auf die Zunahme von Migration in den vergangenen Jahren. Viele Männer und Frauen kämen auf den Kontinent, „die vor Kriegsschauplätzen und Verfolgung fliehen oder auf der Suche nach einem besseren Leben fernab von Armut und Elend sind.“

Leo XIV. sprach in seiner Rede von einer „historischen Tragweite“ dessen, was gerade geschehe. „Nämlich eine beispiellose Begegnung zwischen Völkern und Kulturen, die zur kreativen Wiederentdeckung unserer Wurzeln und zugleich zum aufmerksamen Hören auf den Anderen aufruft.“

Dialog statt bewaffnete Auseinandersetzungen

Das Europa nach Robert Schuman (1886-1963) beruhe auf der Achtung des Völkerrechts. Es sei ein Kontinent, auf dem man den Dialog der bewaffneten Auseinandersetzung vorzieht, sagte der Papst und erinnerte an den früheren französischen Ministerpräsidenten und einen der Gründerväter der europäischen Einigung. Für Schuman läuft in der katholischen Kirche ein Seligsprechungsverfahren. Metz ist die letzte Etappe auf der viertägigen apostolischen Reise des Papstes nach Frankreich.