Gnadengesuch in den USA: Frau soll nicht hingerichtet werden

Gnadengesuch in den USA: Frau soll nicht hingerichtet werden
Zum ersten Mal seit mehr als 200 Jahren soll im US-Bundesstaat Tennessee am 30. September eine Frau hingerichtet werden. Die 50-jährige Christa Pike habe einen entsetzlichen Mord verübt, heißt es. Doch ein Gnadengesuch soll Pike retten.

Washington (epd). Der Gouverneur von Tennessee, Bill Lee, entscheidet in wenigen Tagen, ob er die einzige Frau im Todestrakt des Bundesstaats begnadigt. Laut Urteil hat Christa Pike 1995 im Alter von 18 Jahren ihre ein Jahr ältere Arbeitskollegin Colleen Slemmer ermordet. Eifersucht soll ein Motiv gewesen sein. Der Mittäter Tadaryl Shipp war 17 Jahre alt und wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Pike soll am kommenden Mittwoch hingerichtet werden.

Pikes Gnadengesuch an den Gouverneur verweist auf ihre entsetzliche Kindheit. Pike sei misshandelt und mehrmals vergewaltigt worden. Es geht auch um Pikes Alter. In den vergangenen 50 Jahren seien in Tennessee nur acht zur Tatzeit 18-Jährige zum Tod verurteilt worden, berichtete die Zeitung „The Tennessean“. In allen Fällen außer in Pikes seien die Todesurteile aufgehoben worden. Seit mehr als 200 Jahren hat Tennessee keine Frau hingerichtet.

Angeblich satanische Symbole

Mehrere Fernsehberichte sind über den Mord und die grausigen Details gedreht worden. Pike und Shipp hätten Slemmer zu Tode geschlagen. Pike habe einen Teil des Schädelknochens als Trophäe mitgenommen. Medien berichteten über angebliche satanische Symbole.

Trauma-Experten und Vertreter von Verbänden zum Schutz von Vergewaltigungsopfern haben sich gegen die Hinrichtung ausgesprochen. Pike leide wegen ihrer Kindheit an posttraumatischen Belastungsstörungen.

Bischöfe bitten Gouverneur um Gnade

Auch die römisch-katholischen Bischöfe von Tennessee haben Gouverneur Lee um Gnade gebeten. Bei dem Urteil stellten sich „schwerwiegende Fragen zur Gerechtigkeit und angemessenen Strafe“. Pikes Erfahrungen von Missbrauch und Vergewaltigung seien keine Rechtfertigung für ihre „wahrlich schreckliche Tat“, schüfen jedoch einen Kontext für das Verbrechen.

Colleen Slemmers Mutter May Martinez hat sich für die Hinrichtung ausgesprochen. Pike müsse für ihr Verbrechen zahlen, sagte Martinez in einem Fernsehinterview in Tennessee.

Der republikanische Politiker Lee ist seit 2019 Gouverneur. Er hat noch nie einen Todeshäftling begnadigt. Nach Angaben des Todesstrafen-Informationszentrums sind in den USA seit den 80er Jahren 18 Frauen hingerichtet worden.