Oberursel (epd). Der katholische Ökumene-Bischof Gerhard Feige wertet den Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt als Warnsignal für Demokratie und Kirche. Es sei zugleich „befremdlich und makaber“, dass viele Christinnen und Christen die Partei gewählt hätten, obwohl deren völkischer Nationalismus mit christlichen Werten unvereinbar sei, sagte der Magdeburger Bischof der Zeitschrift „Publik-Forum“ (Dienstag, Online). Bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern am Sonntag sowie in Sachsen-Anhalt zwei Wochen zuvor wurde die AfD jeweils stärkste Kraft. In Berlin kam sie am Sonntag auf den dritten Platz der Wahl zum Abgeordnetenhaus.
Politiküberdruss Grund für Wahlergebnis
„Manchen halte ich zugute, sich mit der Programmatik der AfD gar nicht auseinandergesetzt zu haben, sondern der bisherigen Politik überdrüssig und, von der durch bestimmte Kräfte geschürten Untergangsstimmung beeinflusst, solchen banalen Parolen gefolgt zu sein wie: 'Er hat einen Plan', 'Alles ist möglich' und 'Alles wird gut'“, so Feige. Bei anderen vermute er, dass sie eher einem „identitären Kulturchristentum“ anhängen und nur „wenig oder gar nichts vom Hauptgebot der Gottes- und Nächstenliebe verstanden haben“.
Zeitgeist und Ideologien
Auch Katholiken könnten dem jeweiligen Zeitgeist und seinen Ideologien verfallen und im Extremfall sogar zu Verbrechern werden, räumte Feige ein. Ein besonders Beispiel dafür sei Reinhard Heydrich, einer der Hauptorganisatoren des Holocaust. Heydrich sei katholisch getauft, „und zwar in meiner Heimatkirche St. Franziskus und St. Elisabeth in Halle an der Saale“, sagte Feige. Dankenswerterweise gebe es aber auch genügend katholische Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Diese hätten den Mut gehabt, „sich nicht menschenverachtenden Mehrheitsmeinungen anzupassen“, fügte Feige hinzu.
Von Einzelnen bekomme er hasserfüllte, zynische und unflätige Reaktionen, sagte Feige. Dann frage er sich, „was daran noch christlich sein soll“. Für die Kirchen formulierte Feige den Auftrag, für alle Menschen da zu sein, besonders für jene, „die es schwer haben“.



