Merkel: Brückenbauen muss Anspruch einer Volkspartei sein

Merkel: Brückenbauen muss Anspruch einer Volkspartei sein
Der Anspruch einer Volkspartei müsse sein, Brücken zu bauen, sagt Altkanzlerin Merkel nach den Verlusten der CDU bei den Landtagswahlen. Sie rät ihrer Partei zu "wertegebundenen Brücken", bei denen dann auch klar sei, mit wem es nicht gehe.

Berlin (epd). Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nach den Verlusten der CDU bei den vergangenen Landtagswahlen ihrer eigenen Partei zu mehr Anstrengungen beim Ausgleich unterschiedlicher Interessen geraten. Für Konrad Adenauer sei klar gewesen, dass man Brücken bauen müsse, sagte Merkel am Montagabend bei der Eröffnung einer Kunstausstellung im Bundestag in Berlin.

Adenauer sei es um Brücken zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Männern und Frauen, den Konfessionen, Umwelt und Wirtschaft, den Generationen sowie Stadt und Land gegangen. „Und ich würde heute hinzufügen, zwischen Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte“, sagte Merkel, die acht Mal das Direktmandat für den Bundestag in ihrem Wahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern gewonnen hatte. „Ich denke, das muss der Anspruch einer Volkspartei sein“, sagte sie.

Altkanzlerin verweist auf Wurzeln der CDU

Die CDU-Politikerin, die 2021 aus dem Amt geschieden war, sagte, es gehe um „wertegebundene Brücken“. Sie verwies auf die „drei gleichberechtigten Wurzeln“ der CDU: „konservativ, liberal, christlich-sozial“. Daraus habe sich bei Adenauer automatisch ergeben, „mit wem man keine Brücken bauen konnte“. Unter Anspielung auf die Landtagswahlen am Sonntag in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin sagte Merkel, „an einem Tag wie heute und nach einem Abend wie gestern“ lohne es sich, darüber nachzudenken, was man von Adenauer übernehmen könne. Die CDU hat in Mecklenburg-Vorpommern - erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik - den Einzug in das Landesparlament verpasst.

Die Ausstellung im Bundestag beschäftigt sich mit „Begegnungen zwischen Kunst und Politik“. Im Mittelpunkt stehen zwei Kanzlerbildnisse: ein Porträt des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer von Oskar Kokoschka und Andy Warhols Porträt Willy Brandts. Das gezeigte Adenauer-Porträt, das zur Kunstsammlung des Bundestags gehört, hing in Merkels Büros, seit sie 2002 Fraktionsvorsitzende der Union im Bundestag wurde - auch in ihrem aktuellen im Bundestag. Für die Ausstellung sei sie darum gebeten worden, es „herauszurücken“, sagte Merkel. „Ich blicke nun auf eine weiße Wand anlässlich des 150. Geburtstages von Konrad Adenauer“, sagte sie.