Düsseldorf, Berlin (epd). Sozialverbände und Verbraucherschützer kritisieren die Beschlüsse der Bundesregierung zur Entlastung der Bevölkerung von den hohen Spritpreisen als zu wenig zielgenau. Der Ansatz sei richtig, einerseits unmittelbare Entlastung zu schaffen und andererseits die Preistreiberei der Konzerne zu begrenzen, sagte die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Verena Bentele, der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Samstag). „Die pauschale Senkung der Spritpreise über die Energiesteuer ist allerdings die Gießkanne par excellence“, kritisierte sie.
Stattdessen müsse gezielt Menschen mit geringen Einkommen geholfen werden. Als Beispiel nannte Bentele Alleinerziehende, die auf ein Auto angewiesen sind, und Menschen in ländlichen Regionen. Den Spritpreisdeckel begrüßte die Präsidentin des VdK, forderte aber einen ausreichend niedrigen Ausgangspreis, damit er die Preissteigerungen der Konzerne tatsächlich begrenze.
Kritik an fehlender Abschöpfung von Übergewinnen
Auch der Sozialverband Deutschland (SoVD) bewertet die Sprit-Entlastungen skeptisch. Der geplante Tankrabatt koste den Staat und damit die Steuerzahlenden „Millionen oder gar Milliarden“, entlaste aber auch Menschen, die nicht Unterstützung benötigten, sagte SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier den Zeitungen der Essener Funke Mediengruppe (Samstag). „Das ist unsolidarisch.“ Zugleich kritisierte sie, dass krisenbedingte Übergewinne der Unternehmen nicht konsequenter abgeschöpft würden.
Ähnlich äußerte sich die Vorständin der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Ramona Pop. „Die Bundesregierung greift erneut zur Gießkanne. Das ist teuer, kurzsichtig und wenig zielgenau“, sagte Pop der „Rheinischen Post“ (Samstag). Mit Blick auf die steigenden Heizkosten müsse Deutschland zudem langfristig seine Abhängigkeit von fossilen Energieträgern verringern. Auch die Umweltorganisationen BUND und Greenpeace kritisierten die Maßnahmen als unökologisch und unsozial.
Bund und Länder haben angesichts der hohen Spritpreise ein Entlastungspaket beschlossen. Die Energiesteuer auf Benzin und Diesel soll demnach bis Ende 2026 um 14 Cent je Liter sinken. Bis spätestens 1. Januar 2027 soll zudem ein Spritpreisdeckel nach europäischem Vorbild eingeführt werden, um starke Preisaufschläge zu begrenzen.




