Familienformen in Deutschland ändern sich kaum noch

Familienformen in Deutschland ändern sich kaum noch
Die Anzahl von Kindern pro Familie und der Anteil der Familien an der Bevölkerung bleiben in Deutschland seit Jahren weitgehend stabil. Daran änderten zuletzt auch Krisen und politische Entscheidungen nur wenig.
17.09.2026
epd
Von Karsten Packeiser (epd)

Wiesbaden (epd). Knapp die Hälfte der Deutschen (49 Prozent) lebt nach wie vor in einer Familie. Die Anteile von Familien, Alleinstehenden und Paaren ohne Kinder im Haushalt an der Gesamtbevölkerung hätten sich seit 2015 kaum noch verschoben, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag bei der Vorstellung einer aktuellen Analyse mit. Unterschiede gibt es noch zwischen Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte. Der Anteil der Familien mit Einwanderungsgeschichte hat sich in den vergangenen 20 Jahren von 17 auf 31 Prozent nahezu verdoppelt.

Die Bereitschaft, eine Familie zu gründen und Kinder zu bekommen, sei seit vielen Jahren konstant geblieben, sagte der Statistiker Tim Hochgürtel: „Partnerschaften finden sich, vielleicht auch etwas später, vielleicht nicht mehr ganz so stabile.“ Ungeachtet aller äußeren Einflüsse und politischer Entscheidungen sei auch die Anzahl von durchschnittlich 1,4 Kindern pro Frau seit den 1970er Jahren im Wesentlichen unverändert geblieben. Bei den Frauen, die sich für Kinder entscheiden, liege die Kinderzahl recht konstant bei rund 2,0.

Politische Maßnahmen haben wenig Auswirkung auf Familienformen

Auf vorübergehende Anstiege, etwa nach Einführung des Elterngeldes oder nach dem Beginn der Coronavirus-Pandemie, seien Jahre mit einem starken Rückgang gefolgt, erklärte Hochgürtel. Detaillierte statistische Daten zu Familienformen liegen dem Bundesamt seit 1996 vor. Insbesondere im Zeitraum bis 2015 gab es deutlich messbare Änderungen, so sank der Anteil der Ehepaare mit Kindern an allen Familien von 78 auf 66 Prozent, während die Anteile unverheirateter Eltern oder Alleinerziehender stiegen. Für die Stabilisierung während der zurückliegenden zehn Jahre seien sowohl demografische Effekte als auch die Zuwanderung verantwortlich.

Einwanderer leben häufiger in Familie und haben mehr Kinder

Einwanderer leben häufiger in einer Familie und haben im Durchschnitt weiterhin mehr Kinder als der Bevölkerungsdurchschnitt. So lag die Geburtenziffer bei Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit 2025 bei 1,78 Kindern, für deutsche Frauen bei lediglich 1,2 Kindern. Nach wie vor gibt es unter zugewanderten Menschen deutlich weniger Alleinerziehende, allerdings habe der Abstand seit 2022 abgenommen - maßgeblich dafür sei die Flucht Hunderttausender ukrainischer Frauen und Kinder gewesen, deren Männer das Land nicht verlassen dürfen.

Das Statistische Bundesamt definiert Familien als gemeinsamen Haushalt von Eltern oder alleinerziehenden Elternteilen und ihren Kindern. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um leibliche, adoptierte oder um Pflegekinder handelt. Eltern, deren Kinder nicht mehr zu Hause leben, gelten demnach nicht als Familie.