Kolumbien: Gericht erlaubt Luftangriffe auf Gebiete mit Kindersoldaten

Kolumbien: Gericht erlaubt Luftangriffe auf Gebiete mit Kindersoldaten
Im Kampf gegen bewaffnete Gruppen dürfen Regierung und Armee in Kolumbien laut einem Gerichtsurteil auch Gebiete mit Kindersoldaten bombardieren.

Santiago de Chile, Bogotá (epd). In Kolumbien hat ein Gericht das vorläufige Verbot der Bombardierung bewaffneter Gruppen in Gebieten mit Kindersoldaten aufgehoben. Die mögliche Präsenz von Kindersoldaten sei nicht ausreichend, um Militäraktionen einzuschränken, entschied das 34. Familiengericht in Bogotá am Mittwoch (Ortszeit) und hob damit eine vorangegangene Eilentscheidung auf, wie die Zeitung „El Tiempo“ berichtete. Das Militär müsse allerdings bei bewiesener Präsenz von Kindersoldaten besonders vorsichtig gegen die bewaffneten Gruppen vorgehen, um den Tod der Kinder zu vermeiden, erklärte das Gericht.

Anwalt Ower Jimmy Borda Parra hatte eine Verfassungsklage gegen das militärische Vorgehen der Regierung unter Präsident Abelardo de la Espriella eingereicht. Eine einstweilige Verfügung von Anfang September hatte die Handlungen daraufhin vorläufig untersagt. Borda tritt als Beistand von zwangsrekrutierten Kindern und Jugendlichen auf.

1.800 Jungen und Mädchen zwangsrekrutiert

Die seit dem 7. August amtierende ultrarechte Regierung von Präsident Abelardo de la Espriella geht derzeit mit militärischer Gewalt gegen im Land agierende bewaffnete Gruppen vor. Diese kontrollieren ganze Landstriche und finanzieren sich unter anderem durch die Produktion von Kokain für den europäischen Markt. De la Espriella zählt die getöteten Kämpfer als Beweis für den Erfolg seiner Strategie.

Die Zahl der minderjährigen Mitglieder bewaffneter Gruppen in Kolumbien hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Laut dem Netzwerk humanitärer Organisationen Foro ONG zwangsrekrutierten die Rebellen und Milizionäre allein 2025 mindestens 1.800 Jungen und Mädchen.

In Kolumbien herrscht seit den 1960er Jahren Krieg zwischen dem Staat, Guerillagruppen und paramilitärischen Milizen. Hunderttausende Menschen wurden getötet, rund neun Millionen mussten fliehen. De la Espriellas Vorgänger, der linke Gustavo Petro, hatte erfolglos versucht, mit Dialog einen „totalen Frieden“ in Kolumbien zu erreichen.