Morddrohungen gegen Charlotte Knobloch

Morddrohungen gegen Charlotte Knobloch
Staatsschutz ermittelt - Knobloch nimmt Auftritte am Wochenende wahr
Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, ist mit dem Tod bedroht worden. Entsprechende Schmierereien wurden in Münchens Englischem Garten entdeckt. Der Staatsschutz ermittelt.
11.09.2026
epd
Von Christiane Ried (epd)

München (epd). Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, ist von einem Unbekannten mit dem Tod bedroht worden. Auf einer Parkbank und einem Mülleimer im Englischen Garten in München sei mit weißer Schrift eine „persönliche Drohung gegen ein Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde“ angebracht worden, teilte das Polizeipräsidium am Freitag mit. Auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes bestätigte ein Sprecher der Kultusgemeinde, dass es sich bei der bedrohten Person um die Präsidentin Charlotte Knobloch (93) handle. Der Staatsschutz ermittelt.

Laut der „Abendzeitung München“ schrieb der Verfasser den Satz: „Die AfD hat gewonnen, morgen hängen wir die Knobloch.“ Die Drohung steht offenbar im Zusammenhang mit dem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt vom vergangenen Sonntag.

Die Holocaust-Überlebende hatte sich noch am Wahlabend mit deutlichen Worten zur AfD und ihrer Wählerschaft positioniert: „An Tagen wie diesem fällt es mir schwer, meine Heimat noch wiederzuerkennen. Dass Rechtsextreme in Deutschland in dieser Art wieder Wahlen gewinnen, das hätte ich mir in meinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können“, sagte Knobloch.

Knobloch: AfD-Wähler lehnen Grundlagen von Demokratie ab

„Ein erschreckend großer Teil der Wähler in Sachsen-Anhalt hat heute klar gezeigt, in was für einem Land sie leben wollen, und dieses Land hat kaum etwas mit der Bundesrepublik gemein. Diese Menschen haben die Grundlage von Demokratie, Sicherheit und Wohlstand abgelehnt“, erklärte Knobloch weiter.

Nach der Morddrohung sagte sie eine Veranstaltung am Donnerstagabend aus Sicherheitsgründen ab. Kommende Veranstaltungen aber wolle Knobloch wie geplant wahrnehmen, etwa das öffentliche Schofarblasen am Sonntag in München anlässlich des jüdischen Neujahrsfests Rosch Haschana, sagte der Kultusgemeinden-Sprecher dem epd.