Sachsen-Anhalt: Tausende demonstrieren für demokratische Zukunft

Sachsen-Anhalt: Tausende demonstrieren für demokratische Zukunft
Der Wahlkampf in Sachsen-Anhalt ist zu Ende, am Sonntag wird gewählt. Am Samstag gab es zahlreiche Veranstaltungen und Demonstrationen, die im Zeichen der demokratischen Vielfalt standen.
05.09.2026
epd
Von Lukas Philippi (epd)

Berlin (epd). Mehrere Tausend Menschen sind einen Tag vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt auf die Straße gegangen. Im ganzen Land gab es Demonstrationen und Feste für Demokratie und Vielfalt. In der Landeshauptstadt Magdeburg fanden am Samstag acht angemeldete Versammlungen sowie zahlreiche weitere Spontanversammlungen statt, wie eine Polizeisprecherin auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) sagte.

An einer Demonstration vom Magdeburger Hauptbahnhof zum Domplatz für eine demokratische Zukunft des Landes beteiligten sich nach Polizeiangaben rund 6.000 Menschen. Diese vereinigten sich auf dem Domplatz mit weiteren 2.000 bis 3.000 Menschen zu einem „Demokratiefest“ mit dem Motto „Wir haben die Wahl“. Eingeladen hatte dazu ein Bündnis aus Initiativen, Vereinen und Verbänden.

AfD weiter vorn

In Sachsen-Anhalt wird am Sonntag ein neuer Landtag gewählt. Letzte Umfragen zeigen die AfD vor der CDU. Bislang wurde Sachsen-Anhalt von einer Koalition aus CDU, SPD und FDP unter Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) regiert. Der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt wird vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft.

Die Polizei hat sich für das Wochenende auf einen Großeinsatz vorbereitet, unterstützt von Polizisten aus anderen Bundesländern. Auch am Wahlsonntag sind Kundgebungen geplant.

Freundschaftsband knüpfen

In Halle kamen am Nachmittag nach Angaben der Veranstalter rund 200 Besucher auf dem Riebeckplatz zusammen, um als Zeichen des Zusammenhalts an einem langen Freundschaftsband zu knüpfen. Insgesamt sollten 450 Meter Industrieseil zu einem zehn Meter langen bunten Band verwoben werden. Eingeladen hatte das Bündnis „jetztwerk - Gemeinsam Zukunft weben“. Zudem gab es weitere Stadtteilfeste. Für den frühen Abend war zudem eine Antifa-Demonstration mit 500 Personen angemeldet. Auf dem Marktplatz in Dessau wurde zu einem „Demokratiefest“ unter dem Motto „Demokratie bewahren - Sachsen-Anhalt retten!“ eingeladen.

Für das Bündnis „Sachsen-Anhalt. Weltoffen!“ al Veranstalter des Festes auf dem Magdeburger Domplatz sagte Sprecher Peter Herrfurth, es gehe darum, ein Zeichen „für unser Land“ und die demokratische Gesellschaft zu setzen: „Wir stehen mit unserem Gesicht für unsere Haltung.“ Herrfurth ist der Landesjugendpfarrer der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Neben den Kirchen beteiligten sich daran unter anderem Gewerkschaften, Diakonie, Caritas, AWO sowie zahlreiche Vereine. Damit sollte die Vielfalt der Zivilgesellschaft und das breite demokratische Engagement sichtbar werden, hieß es. Unter anderem waren Auftritte der Klimaaktivistin Luisa Neubauer und der Musiker Kerstin Ott und Sebastian Krumbiegel angekündigt.

„Paradoxe Zuversicht“

Die Rechtsextremismus-Expertin Heike Kleffner lobte das breite zivilgesellschaftliche Engagement in Sachsen-Anhalt und die „Resilienz“ der Akteure. Es gebe vermutlich kein anderes Bundesland mit so einer großen Dichte an selbstorganisierten Kulturveranstaltungen und Kundgebungen für Demokratie, sagte sie dem „Tagesspiegel“ (Samstag, online): „Es beeindruckt mich, mit wie viel paradoxer Zuversicht diese von vielen Seiten angegriffene demokratische Zivilgesellschaft alles dafür tut, demokratische Mehrheiten zu mobilisieren.“