Frankfurt a.M., Bogotá (epd). Ein Gericht hat Kolumbiens Regierung und Armee die Bombardierung bewaffneter Gruppen in Gebieten mit Kindersoldaten vorübergehend untersagt. Wenn gesicherte, „objektive oder auf sinnvolle Weise überprüfbare“ Informationen vorlägen, dass sich dort rekrutierte Kinder oder Jugendliche aufhalten, müssten Regierung und Streitkräfte von einem Angriff absehen, hieß es in der Entscheidung des Familiengerichts in der Hauptstadt Bogotá laut der Zeitung „El Tiempo“ (Donnerstag, Ortszeit).
Die einstweilige Verfügung gelte, bis eine Entscheidung in der Hauptsache über die eingereichte Beschwerde getroffen worden sei. Das Gericht entschied nach einer Verfassungsklage des Anwalts Ower Jimmy Borda Parra, der als Beistand von zwangsrekrutierten Kindern und Jugendlichen auftritt.
Tote Kinder bei ersten Bombardierungen
Seit ihrem Amtsantritt am 7. August ist die Regierung von Präsident Abelardo de la Espriella mit drei Luftangriffen gegen bewaffnete Gruppen vorgegangen. Dabei wurden laut „El Tiempo“ 41 Menschen getötet, unter ihnen vier Minderjährige.
Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Gustavo Petro, dem ersten linken Präsidenten Kolumbiens, der das Land auf dem Verhandlungsweg befrieden wollte, will de la Espriella die zahlreichen bewaffneten Gruppen mit staatlicher Gewalt besiegen. Er hat die von Petro begonnenen Gespräche beendet und steht dem 2016 mit der Farc-Guerilla vereinbarten Friedensprozess kritisch gegenüber.
Mehr Kindersoldaten
Die Zahl der minderjährigen Mitglieder bewaffneter Gruppen in Kolumbien hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Laut dem Netzwerk humanitärer Organisationen Foro ONG haben die Rebellen und Milizionäre allein 2025 mindestens 1.800 Jungen und Mädchen zwangsrekrutiert.
In Kolumbien herrscht seit den 1960er Jahren Krieg zwischen dem Staat, Guerillagruppen und paramilitärischen Milizen. Hunderttausende Menschen wurden getötet, rund neun Millionen mussten fliehen.



