Münster (epd). Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, hat sich angesichts der prognostizierten Stimmenzuwächse für die AfD vor einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft gewarnt. „Ich mache mir Sorgen, dass wir noch stärker in einen postsäkularen Kulturkampf driften und die Kluft in der Gesellschaft größer wird“, sagte Wilmer den „Westfälischen Nachrichten“ (Samstag) mit Blick auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, bei der die AfD erstmals stärkste Partei werden könnte.
Mit Blick auf die etablierten Parteien forderte der Bischof mehr innere Ruhe und Selbstbewusstsein. „Wir sollten uns nicht von der Angst gefangen nehmen lassen“, sagte Wilmer. „Wir sollten selbstbewusst, aber nicht arrogant sagen, woher wir stammen, wie uns unsere christlich-jüdischen Wurzeln prägen, wie wir in Europa auf verschiedenen Säulen stehen.“ Der Vorsitzende der Bischofskonferenz hob auch die Solidarität hervor. Ohne Solidarität zerbreche die Gesellschaft, warnte Wilmer, der seit Juni Bischof des Bistums Münster ist.
Die Kirche könne gar nicht anders als politisch sein, weil auch das Evangelium politisch sei, unterstrich Wilmer. Bei einzelnen Fragen der Tagespolitik sei es jedoch „mitunter richtig, dass wir uns heraushalten“. Das sei das Geschäft der Spezialistinnen und Spezialisten.
„Völkischer Nationalismus und Christentum unvereinbar“
Zum Umgang mit AfD-Wählern in der Kirche sagte Wilmer, bei Positionen, die menschenverachtend oder antisemitisch sind, müsse klar Flagge gezeigt und auf die Fundamente der Kirche verwiesen werden. „Ich sage ganz klar: Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar“, sagte Wilmer dem katholischen Magazin „Kirche + Leben“ (online). Jeder Mensch habe das Recht zu leben, jeder habe dieselbe Würde. Zudem brauche es unabhängige Medien: „Wir brauchen einen Sinn für Wahrheit, weil die Wahrheit die Basis für Freiheit ist.“
Es sei gut, dass in der Kirche mit allen Menschen gesprochen werde, sagte der Münsteraner Bischof der Bistumszeitung. „Wir sind keine Gesprächsverweigerer. Aber wir müssen schon darauf achten, dass wir nicht, sozusagen aus Versehen, Wahlhelfer sind von denen, die fremdenfeindlich und antisemitisch sind.“ Das könne Kirche nicht zulassen.



